Feuerwehrgeist
zwischen Küste und Wüste
Feuerwehrgeist zwischen Küste und Wüste
TEXT & Fotos Georg Mrvka, FF Baden Weikersdorf
Manchmal genügt ein kleiner Funke, um ein großes Abenteuer zu entfachen. Für eine Gruppe Feuerwehrkameraden aus Niederösterreich wurde dieser Funke zur Reise in die USA – voller spannender Begegnungen, beeindruckender Erfahrungen und unvergesslicher Momente zwischen fremden Sirenen und vertrauter Leidenschaft
» »Jeder Einsatz, jede Übung zeigte uns, dass Feuerwehr überall auf der Welt dieselbe Leidenschaft und Verantwortung lebt.« «
Es gibt Reisen, auf die freut man sich. Und es gibt Reisen, die man nie vergisst. Als sich am 7. Oktober 2025 erstmals eine kleine Gruppe Feuerwehrmänner vom Flughafen Wien aus in Richtung Los Angeles aufmachte, ahnte noch niemand, welche Eindrücke, Begegnungen und Gefühle in den kommenden Tagen auf sie warten würden. Organisiert wurde dieses außergewöhnliche Abenteuer von LM Raimund Rath der FF Baden Weikersdorf – ein Mann, der davon träumt, Welten zu verbinden: die amerikanische und die österreichische Feuerwehrkultur.
Kurz vor dem Boarding verabschiedete Kommandant Martin Sinkovits die Gruppe – ein Moment voller Vorfreude, aber auch voller Respekt. Denn wer als Feuerwehrmann in ein anderes Land reist, sieht die Welt nicht nur als Tourist, sondern immer auch mit dem Blick eines Einsatzmannes: neugierig, wachsam, offen.
Santa Monica – ein erster Herzschlag Amerikas
Kaum gelandet, führte der Weg direkt zur Feuerwache Santa Monica. Bereits auf der Fahrt durch die Straßen spürte man das andere Tempo, die weitläufige Architektur und den Duft von Meer in der Luft. Die amerikanischen Kameraden empfingen uns mit jener warmherzigen Offenheit, die einem sofort das Gefühl gibt, nicht Gast, sondern Freund zu sein.
Bei der Führung durch die Wache staunten wir über die modernen Fahrzeuge, die akribisch gepflegten Gerätschaften und die effizienten Abläufe. Jeder Raum hatte seine eigene Geschichte: von der Schlafkoje über die Einsatzzentrale bis hin zu den Garagen, in denen die Motoren förmlich vor Kraft vibrierten.
Am Nachmittag ließen wir die Eindrücke sacken, schlenderten über den berühmten Santa Monica Pier, lauschten den Wellen und spürten, wie die ersten Funken des amerikanischen Lebensstils auf uns übersprangen. Das Abendessen in einem kleinen, gemütlichen Lokal rundete den Tag perfekt ab – Lachen, Geschichten und der Blick auf das glitzernde Meer machten den Moment unvergesslich.
Die Übungen vor Ort waren beeindruckend. Sie zeigten nicht nur die technische Seite des Feuerwehrhandwerks, sondern auch den Teamgeist, das gegenseitige Vertrauen und die Freude am gemeinsamen Lernen – eine Erfahrung, die uns alle spürbar zusammenschweißte.
» »Die Kameradschaft zwischen uns spürte man sofort, Worte waren fast überflüssig. «
Rio Hondo Fire Academy – wo Träume Form annehmen
Am nächsten Morgen begann das Abenteuer früh. Die Fahrt nach Santa Fe führte uns zur Fire Academy Rio Hondo – einem Ort, an dem aus jungen Menschen echte Einsatzkräfte geformt werden. Schon beim Betreten des Geländes spürt man die Energie: Sirenen, Trainingsanlagen, Feuercontainer und Hindernisparcours erstrecken sich über eine Fläche, die größer ist als viele kleine Städte.
Wir bekamen eine ausführliche Einführung in das amerikanische Ausbildungssystem. Von der ersten Theorieeinheit über Simulationen von Verkehrsunfällen bis hin zu Brandübungen – alles ist darauf ausgelegt, die Feuerwehrleute auf Extremsituationen vorzubereiten. Die Ausbilder erklärten nicht nur Abläufe, sondern teilten auch persönliche Erfahrungen – Momente, in denen sie selbst ihr Können unter Beweis stellen mussten.
Zwischen den Übungen war Zeit, das riesige Übungsgelände zu erkunden. Überall sah man junge Feuerwehrleute, die Knoten banden, Leitern erklommen oder den Umgang mit Atemschutzgeräten perfektionierten. Für uns wurde klar: Hier entsteht nicht nur Können, sondern Charakter.
Hand anlegen – ein Moment, der verbindet
Der Captain der Feuerwache Santa Fe überraschte uns am Nachmittag mit einem besonderen Highlight: Wir durften selbst aktiv werden. Zwei Übungen standen auf dem Programm.
Man merkte sofort: Trotz kultureller Unterschiede verband uns dieselbe Leidenschaft, dieselbe Verantwortung. Kleine Missgeschicke wurden mit einem Lächeln und hilfreichen Tipps beantwortet – jeder Handgriff ein Schritt in Richtung echter Kameradschaft.
Los Angeles Air Operations – die Helden über der Stadt
Am Nachmittag wartete ein Ort, der uns sprachlos machte: die Los Angeles Air Operations. Vier Helikopter, modern ausgestattet, standen bereit, um zu jedem Zeitpunkt der Stadt zur Hilfe zu eilen – von Waldbränden über First-Responder-Einsätze bis zu Badeunfällen an den Stränden.
Die Piloten erklärten die Abläufe: Hubschrauber müssen ständig einsatzbereit sein, Technik und Taktik stimmen perfekt überein, jede Sekunde zählt. Als wir selbst in einen der Augusta Bell klettern durften, spürten wir die Kraft der Rotoren, hörten das pulsierende Dröhnen der Maschinen und erlebten einen Moment, in dem Technik und Mensch eins wurden.
Es wurde klar, dass diese Einheit mehr als nur ein Arbeitsplatz ist: Sie ist eine Lebensversicherung für Tausende Menschen und ein Ort, an dem Mut und Verantwortung jeden Tag neu definiert werden.
Drill Tower 81 – die Schule der Entschlossenen
Der Drill Tower 81 des LAFD präsentierte sich wie eine Mischung aus Trainingscamp und Katastrophenübungsplatz. Drill Master Captain Nolen führte uns persönlich durch die Anlagen, erklärte die Bedeutung jedes Geräts und jede Übung, die hier durchgeführt wird.
Wir durften miterleben, wie die „Class 1“ ihre Zertifizierungsprüfungen absolvierte: Treppensteigen mit voller Ausrüstung, simulierte Brandbekämpfung, Rettung von Personen aus verrauchten Gebäuden. Man spürte, wie viel körperliche und mentale Kraft erforderlich ist. Doch neben der Härte beeindruckte uns vor allem der Teamgeist – die Kameraden unterstützten sich, motivierten sich und feierten jeden kleinen Erfolg.
Hier wurde uns bewusst: Ausbildung ist mehr als Technik. Sie ist auch das Schmieden von Vertrauen und Zusammenhalt.
„The Cage“ – ein Ort, an dem Stärke wächst
Bevor wir Los Angeles verließen, stand die Feuerwache 55 auf dem Programm, bekannt als „The Cage“. Die Urban Search and Rescue Task Force trainiert hier für die extremsten Szenarien: Gebäudeeinstürze, Naturkatastrophen, internationale Einsätze.
Wir durften die schwere Ausrüstung bestaunen: Hebekissen, Trümmerwerkzeuge, Abseilgeräte und hochmoderne Rettungstechnik. Die Amerikaner erklärten, wie jede Mission minutiös geplant wird, und wir konnten selbst einige Übungen nachvollziehen. Die Kombination aus Präzision, Kraft und Teamarbeit war beeindruckend und ließ uns spüren, wie viel Respekt für die Einsatzkräfte nötig ist.
Jeder neue Ort öffnete Türen – im wörtlichen und übertragenen Sinn. Die Herzlichkeit der Menschen ließ uns sofort dazugehören und vermittelte ein Gefühl von Gemeinschaft, das die Distanz zwischen Kontinenten und Kulturen auf beeindruckende Weise überbrückte.
» »»Wir kehren mit neuen Erfahrungen, tiefem Respekt und unvergesslichen Erinnerungen zurück.« «
Die Reisegruppe setzte sich aus engagierten Feuerwehrmitgliedern aus Niederösterreich zusammen, die ihre Kameradschaft und Erfahrung miteinander teilten: Von der FF Baden Weikersdorf waren VM Georg Mrvka, LM Raimund Rath, HFM Thomas Modl und OFM Natalie Grassl dabei. Ergänzt wurde die Gruppe durch LM Stefan Kahlhofer von der FF Siegenfeld, HBM Bernhard Siegel von der FF Kottingbrunn, FM Stefanie Pfeiffer von der FF Wiener Neustadt sowie LM Markus Tampir von der FF Felixdorf.
Las Vegas – Lichter, Emotionen und Feuerwehrgeist
Las Vegas präsentierte sich in einem völlig anderen Licht. Zwischen den glitzernden Casinos und bunten Straßen erlebten wir dennoch das amerikanische Feuerwehrwesen hautnah. Wir besuchten das Clark County Fire Department, Station 21 und Station 32 – jede Wache ein eigenes kleines Universum.
Besonders beeindruckend war die kleine Feuerwache Station 66 in der Westernstadt Oatman. Hier empfing uns der Fire Chief mit einer Wärme, die die Distanz zwischen Kontinenten und Kulturen sofort verschwinden ließ. Wir lernten die Besonderheiten der Einsätze in der Wüste, die Herausforderungen kleiner Stationen und die Anpassungsfähigkeit der Einsatzkräfte kennen.
Auch als Touristen konnte man die Feuerwehr nicht vergessen: Überall spürte man, wie sehr der Geist des Einsatzes, des Helfens und des Zusammenhalts in der Stadt präsent ist.
Eine Reise, die bleibt
Viele von uns haben mit dieser Reise einen Kindheitstraum erfüllt. Und alle sind mit etwas Heim gekommen, das man nicht in Koffer packen kann: Erinnerungen, die ein Leben lang wärmen.Eine Reise, über die wir noch sehr lange sprechen werden.![]()