Ein Stern

für alle

fälle

Ein Stern für alle Fälle

TEXT GERNOT FRIESCHER
FOTOS ROSENBAUER

Geht es um die Beschaffung eines neuen Einsatzfahrzeuges, gleicht die Ausschreibung oft einem Wunschzettel an den Weihnachtsmann. Wir alle hätten am liebsten das eierlegende Wollmilchschwein. Doch in der Realität müssen oftmals Abstriche in Kauf genommen werden. Oder doch nicht?
Der Unimog von Mercedes-Benz ist ein Alleskönner par excellence. Genau diese Vielseitigkeit macht ihn für die Feuerwehren so enorm interessant
.

So sieht die Geburtsstätte des Unimog aus. In der topmodernen Produktion werden die Fahrzeuge vorwiegend von Hand für jeden Kunden individuell gefertigt.

EIN FAHRZEUG ERSETZT GANZEN FUHRPARK

Bereits seit 1949 wird der unverwechselbare Unimog gebaut. Der Name ist hier tatsächlich Programm, denn das Kürzel UNIMOG steht ganz einfach für Universal Motorgerät. Klar, seit 1949 hat sich so ziemlich alles am Unimog verändert; bis auf die Vielseitigkeit, die in dieser Form wohl unerreicht blieb. Zweifelsfrei beruht der große Erfolg dieses Arbeitstieres in der enormen Vielseitigkeit. So deckt der UNIMOG ein Aufgabengebiet ab, für das sonst ein ganzer Fuhrpark nötig wäre.

Gerade Feuerwehren, deren Einsatzgebiet abgelegene Ortschaften miteinschließt, finden oftmals mit einem Unimog überhaupt die einzige Möglichkeit, im Ernstfall der Bevölkerung adäquat Hilfe zu leisten.

EIN ARBEITSGERÄT MIT MODERNSTER TECHNIK

Beim ersten Blick auf den UNIMOG fällt dem Betrachter sofort die riesige Windschutzscheibe auf. Weniger der Optik sondern vielmehr einer maximalen Rundumsicht ist dieses Design geschuldet. Wer schon einmal auf engstem Raum, womöglich auch noch bei Nacht oder Nebel, unter stressigen Bedingungen reversieren musste, wird das moderne Freisicht-Fahrerhaus zu schätzen wissen. Ebenfalls zu schätzen weiß man die beachtlichen Pferdestärken (von 156 PS bis 299 PS), die in der Regel genug Drehmomentreserven selbst für härteste Einsätze bieten. Damit diese Leistung auch effizient auf die Straße kommt, stehen Feuerwehren beim UNIMOG zahlreiche unterschiedliche Reifenoptionen zur Verfügung. Hier sei auch die Reifendruckregelanlage erwähnt, denn schon eine Halbierung des Reifendrucks führt zu einer Verdoppelung der Bodenaufstandsfläche.

FF KALTENLEUTGEBEN KANN STOLZ AUF IHR 4 t-BABY SEIN

Die FF Kaltenleutgeben in Niederösterreich freut sich auf Zuwachs in ihrem Fuhrpark: ein Unimog U 323 wird diesen in Kürze bereichern. Auch wenn die Serienausstattung schon beachtlich lange ist und den Umfang dieses Berichtes bei weitem sprengen würde, so haben die Kameraden ihrem „Neuen“ einige interessante Extras spendiert. Das beginnt bei einer Differenzialsperre auch an der Vorderachse, an der auch eine Haltebremse zusätzlich angebracht ist. Ein luftgefederter Schwingsitz für den Fahrer wird gerade in unwegsamem Gelände einen Bandscheibenvorfall verhindern.
Der feuerwehrspezifische Aufbau, dem wir uns nun ein wenig näher widmen möchten, wird von der Balthasar Nusser GmbH in Form eines HLF2 durchgeführt. Die Fahrzeugbesatzung ist mit 1 + 5 ausgelegt und von den 4 Sitzen sind 3 mit integrierten ATS-Halterungen ausgestattet. Der Fahrzeugaufbau allgemein wird aus einem speziell für Feuerwehraufbauten entwickelten ALU-Rahmenprofil gefertigt. Das Profil besteht aus einer stangengepressten Aluminiumlegierung und wird außen an der Aufbaukontur von 90 mm starken Aluminium U-Profilen abgeschlossen. Dies hat auch den Vorteil, dass bei Beschädigungen des Fahrzeuges keine Schäden in der Struktur des Aufbaues auftreten können. Stabilere Fahreigenschaften, Gewichtseinsparungen und eine hohe Korrosionsbeständigkeit durch die eloxierte Oberfläche des Profils werden garantiert.
Der Löschwassertank von 1.500 l wird mittels Einbaupumpe mit einer Nennleistung von 1.000 l/m bei 10 Bar geleert. Für den Schnellangriff stehen 2x 30 Meter C 42 Schlauch mit Hohlstrahlrohr bereit. Die Geräteräume wurden mit wartungsfreien Aluminiumrollläden bzw. einer Heckklappe versehen.
Das Dach ist im Bereich des Aufbaues begehbar und mit einer Blende umfasst, in der Beleuchtung und Umfeldbeleuchtung (außen) montiert sind.
Die Geräteräume 1+2 sind mit Drehfächern ausgestattet, die die Lagerung und leichte Entnahme von schwerem Gerät (wie z.b. den Drehstromgenerator) ermöglichen.
Hinter der Hinterachse ist der Aufbau mit Ladetiefräumen und abklappbaren Standbrücken (Tragkraft für 2 Mann) ausgestattet. Damit der Mannschaft auch genügend Licht zur Verfügung steht, wurde ein pneumatischer Flutlichtmast mit 8×60 Watt LED Leuchtelementen verbaut. Die Fahrzeugbeleuchtung selbst besteht aus Umfeld-, Manövrier- und Dachbeleuchtung. Dabei wird die Dachbeleuchtung beim Ausklappen der Aufstiegsleiter im Heck automatisch aktiviert. Eine Hub-, Schlepp- und Zugwinde an der Front leistet 50 kN.

DER HIGHTECH-UNIMOG KANN SCHON BALD BESICHTIGT WERDEN

Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der Unimog der FF Kaltenleutgeben noch nicht gänzlich „fototauglich“, da er sich noch in der Produktion befand. Doch Mercedes-Benz wird auf der Feuerwehrmesse Oberwart unter anderem den U 323 präsentieren. Vom 8. bis 10. November findet in Oberwart/Burgenland bereits zum zweiten Mal diese Fachmesse statt. Auf einer Ausstellungsfläche von beinahe 300 m2 können Messebesucher neben dem U 323 auch einen Fuso Canter sowie einen Arocs mit entsprechenden Feuerwehraufbauten hautnah erleben.