IM KRIEG

GEGEN DIE Flammen

Im Krieg gegen die Flammen

TEXT GERNOT FRIESCHER
FOTOS UNITED STATES NAVY

Für welchen vorwiegenden Zweck ein Kriegsschiff wie die USS Bonhomme Richard gebaut wurde, lässt sich unschwer deuten. Die Schlacht gegen einen Schiffsbrand, der fünf Tage andauerte, hat das Kriegsschiff allerdings nur mit schwersten Beschädigungen überstanden. Tagelang haben Feuerwehrleute und Soldaten der US Navy unermüdlich gegen die Flammen angekämpft.

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400 Marine-soldaten unterstützten die Feuerwehrleute im Kampf gegen die Flammen.
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BHM-05 2020 Reportage Im Krieg gegen die Flammen

In der ersten Phase des Einsatzes konnte die USS Bonhomme Richard aufgrund der hohen Temperaturen im Inneren nur von außen gekühlt werden.

Die Bilder gingen um die Welt, immerhin stand ein Kriegsschiff der United States Navy nahezu fünf Tage lang in Brand. Am 12. Juli 2020 geriet die USS Bonhomme Richard in der Naval Base San Diego in Kalifornien nach einer Explosion auf einem unteren Frachtdeck in Brand. Ein Feuer breitete sich schnell aus, da die Feuerlöschanlage wegen Wartungsarbeiten nicht einsatzbereit war. Während der Wartung waren zum Glück nur 160 Personen an Bord. Bis zu 1.000 Personen finden üblicherweise auf den 14 Decks während Einsatzfahrten Platz. Die Bonhomme Richard ist laut US-Navy ein amphibisches Angriffsschiff, das mit einem kleinen Flugzeugträger vergleichbar ist, von dem Hubschrauber und Kampfjets starten können.

BHM-05 2020 Reportage Im Krieg gegen die Flammen

Der Mini-Flugzeugträger im Wert von 750 Millionen Dollar befand sich für Wartungs- bzw. Umrüstarbeiten im Heimathafen. Zwei Jahre sollten die Arbeiten dauern.

BHM-05 2020 Reportage Im Krieg gegen die Flammen

Bis zu 1.000 Grad Celsius sollen im Inneren geherrscht haben.

BHM-05 2020 Reportage Im Krieg gegen die Flammen
BHM-05 2020 Reportage Im Krieg gegen die Flammen

Gegenseitige Hilfe unter Kameraden. Doch genau hier wurde während des Einsatzes auch das Coronavirus übertragen.

BHM-05 2020 Reportage Im Krieg gegen die Flammen

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Mehr als 1.500 Wasserabwürfe von Hubschraubern wurden durchgeführt.
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Erhebliche Schäden auf fast allen Decks

Nach mehr als vier Tagen Brand hat das amphibische Angriffsschiff Bonhomme Richard auf 11 seiner 14 Decks erhebliche Feuer-, Rauch- und Wasserschäden erlitten. Einige Decks sind verzogen bzw. in manchen Bereichen völlig zerstört. Dies geht aus einer E-Mail hervor, die der oberste Admiral der Marine nach einer ersten Erkundung ausgesandt hat.

Die E-Mail von Admiral Mike Gilday, Chef der Marineoperation, beschreibt die Schäden am Kriegsschiff und die Herausforderungen, denen Feuerwehrleute und Seeleute mehr als 100 Stunden lang im Kampf gegen das Feuer ausgesetzt waren.

„Vom Flugdeck als Referenz ausgehend ging ich Abschnitte des Schiffes fünf Ebenen tiefer ab und hatte die Gelegenheit, den Zustand und die Schäden zu untersuchen“, schrieb Gilday. „Dabei zeigte sich, dass einige Bereiche aufgrund der Temperaturen von bis zu 1.000 Grad Celsius regelrecht ‚entkernt’ worden waren“, so der Admiral weiter. Massive Schäden erlitten zudem die gesamte Brücke und der Flugsicherungsturm, wo stellenweise sogar das Aluminiumdach durchgeschmolzen ist. Bereits bei der ersten Besichtigung wurde auch festgestellt, dass Abschnitte des Flugdecks verzogen sind und sich die Start-/Landebahn aufgewölbt hat. Die Ursache für das Inferno versuchen drei voneinander unabhängige Kommissionen zu rekonstruieren.

BHM-05 2020 Reportage Im Krieg gegen die Flammen

Wäre das Schiff gesunken, hätten Millionen Liter Treibstoff eine Umweltkatastrophe zur Folge gehabt.

BHM-05 2020 Reportage Im Krieg gegen die Flammen

Das Halon-Gas-Feuerlöschsystem wurde gerade gewartet und war nicht betriebsbereit.

BHM-05 2020 Reportage Im Krieg gegen die Flammen

Insider schätzen den Wert des 23 Jahre alten Schiffes auf ca. 750 Millionen Dollar. Die Brandursache wird akribisch ermittelt.

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Das Schiff bekam Schlagseite und drohte zu kentern.
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BHM-05 2020 Reportage Im Krieg gegen die Flammen

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Es bleibt fraglich, ob das Schiff überhaupt wieder instandgesetzt wird.
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BHM-05 2020 - Reportage Im Krieg gegen die Flammen

Feuerwehrleute und Marinesoldaten kämpften gemeinsam gegen das Feuer an.

BHM-05 2020 Reportage Im Krieg gegen die Flammen
BHM-05 2020 Reportage Im Krieg gegen die Flammen
BHM-05 2020 - Reportage Im Krieg gegen die Flammen

Der Untergang wäre nicht nur für die US-Navy eine Katastrophe gewesen.

Das Schiff wurde gerade gewartet bzw. aufgerüstet

Ausgang des verehrenden Brandes war eine Explosion im Flugzeuglagerraum, der sich 6 Decks unter dem Flugdeck und nahe der Schiffsmitte befindet. Hier konnte sich das Feuer in alle Richtungen achtern, vorwärts und aufwärts ausbreiten. Lange Zeit war für die Einsatzkräfte daher unklar, wo sich der Brandherd genau befand. Aufgrund der enormen Temperaturen von bis zu 1.000 Grad Celsius war es tagelang nicht möglich zum Brandherd vorzudringen. Mit erheblichem Aufwand wurde versucht das Schiff von außen zu kühlen. Dazu warfen Helikopter von drei Hubschraubergeschwader mehr als 1.500 Ladungen Löschwasser auf die USS Bonhomme Richard. Zusätzlich wurde von Wasser und Land aus versucht das Schiff zu kühlen. Bei der Explosion sowie den folgenden tagelangen Löscharbeiten wurden 38 Militärangehörige und 23 Zivilisten verletzt. Am 16. Juli gab die US-Marine offiziell die Meldung aus, den Brand gelöscht zu haben. Obwohl kein Austritt von Öl oder Treibstoff zu verzeichnen war, wurde vorbeugend schon am ersten Tag des Einsatzes eine Ölsperre errichtet. Während der ersten beiden Tage des Infernos stieg schädlicher Rauch aus dem Schiff auf und beeinträchtigte die Luftqualität in der gesamten Region.

Im Geschehen mit Covid-19 infiziert

Wie bei momentan allen Feuerwehreinsätzen war auch bei diesem die Gefahr einer Ansteckung bzw. Übertragung von Covid-19 omnipräsent. Hier hatten sich mehrere Matrosen und Einsatzkräfte während der Löscharbeiten bzw. beim wechselseitigen zur Hand gehen beim An- und Ablegen der Schutzkleidung infiziert, was sich anhand anschließender Corona-Tests bestätigte.

Im Übrigen besteht auch an Land eine große Gefahr für Einsatzkräfte, wenn durchgeschwitzte Kleidung nicht penibel genau separiert, transportiert und zur Desinfektion weitergegeben wird.