INTERSCHUTZ 2026
WENN HANNOVER WIEDER
ZUR EINSATZSTADT WIRD
INTERSCHUTZ 2026 WENN HANNOVER WIEDER ZUR EINSATZSTADT WIRD
Interview: André Stangl
Die INTERSCHUTZ 2026 will mehr sein als eine klassische Produktschau: Sie will Technik, Taktik, Training und strategischen Dialog zusammenführen. Über die Schwerpunkte der Weltleitmesse, die vier Fokusthemen, die Ausstellungsflächen und die Erwartungen an Besucher und Aussteller sprechen wir mit Thilo Horstmann, Projektleiter INTERSCHUTZ,
Deutsche Messe AG
1. bis 6. Juni 2026 Hannover
» Die INTERSCHUTZ vereint wie keine andere Messe ihrer Branche Business und Emotion.“ «
Herr Horstmann, die INTERSCHUTZ rückt näher. Mit welchem Anspruch geht die Messe in dieses Jahr und was soll der Besucher bereits beim Betreten des Geländes spüren?
Den Pulsschlag der INTERSCHUTZ. Sie vereint wie keine andere Messe ihrer Branche die Aspekte Business und Emotion. Business, weil hier die Welt zusammenkommt, neue Technologien und Innovationen präsentiert und damit die Zukunft zeigt, Geschäfte anbahnt oder auch direkt abschließt. Emotion, weil hier ein branchenweites Klassentreffen stattfindet, das ein besonderes Augenmerk auf das so wichtige Ehrenamt wirft. Ein Großteil der Einsatzkräfte in unterschiedlichen Ländern rund um den Globus sind keine Berufsfeuerwehrleute oder -rettungskräfte. Sie setzen sich in ihrer Freizeit für die Menschen und deren Sicherheit, Leben und Gesundheit ein.
Die INTERSCHUTZ 2026 steht unter dem Leitthema „Safeguarding tomorrow“. Was bedeutet dieses Motto ganz konkret für Aussteller, Fachbesucher und Einsatzorganisationen?
„Safeguarding tomorrow“ heißt übersetzt „die Zukunft schützen“ – ein Wert, der besonders in diesen Zeiten wichtiger denn je ist. Wenn wir heute nicht an das Morgen denken und alles dafür tun, um es zu schützen, haben wir die geopolitische Lage nicht verstanden. Jeder einzelne Aussteller und Besucher – ganz gleich aus welchem Bereich er oder sie kommt – sollte seine Entscheidungen auf Basis dieses Mottos treffen. Die Frage muss daher immer wieder sein: „Was kann ich in meiner Rolle und als Person ganz persönlich tun, um das Morgen zu schützen?“
In den Vorinformationen wird deutlich, dass die INTERSCHUTZ mehr sein will als eine reine Produktschau. Welche Rolle spielen Wissenstransfer, Dialog und praktische Vorführungen im Gesamtkonzept 2026?
Diese Themen sind traditionell schon immer ein großer Besuchermagnet gewesen – so wird es auch in diesem Jahr sein. Die INTERSCHUTZ ist nicht nur Produktschau und Innovationsbarometer. Es geht um Wissenstransfer, Weiterbildung, Vernetzung der Experten untereinander und um den großen Action-Teil, der sich auf den vielen Freigeländeflächen zeigt. Dort zeigen die Wettkämpfer, was in ihnen steckt und die Lösungsanbieter, wie konkrete Unfall- oder Lebensrettungs-Szenarien mit schwerem Gerät bewältigt werden.
Auf der Website stehen vier Fokusthemen besonders im Mittelpunkt: Klimawandel, Bevölkerungsschutz, Nachhaltigkeit und KI im Einsatz. Wie spiegeln sich diese Themen in der Messe konkret wider?
Die Fokusthemen werden einerseits von den Ausstellern in ihren Standpräsentationen aufgenommen. Andererseits gibt es aber auch konkrete Sonderschauen, die auf diese Themen einzahlen. Beim Klimawandel ist das neue Format WildfireCamp@INTERSCHUTZ Vorreiter. Beim Bevölkerungsschutz ist gleich die gesamte Halle 17 inklusive des INTERSCHUTZ-Forum Themenpate. Nachhaltigkeit zeigt sich quer durch die gesamte Ausstellerschaft, beispielsweise bei biologisch abbaubarem Lösch-Schaum oder auch bei nachhaltigen Materialien, die im Bereich PSA verwendet werden. KI ist ein messeübergreifendes Thema, das sich in sämtlichen Bereichen findet. Sei es im Bereich der modernen Leitstellentechnik, in modernem Gerät bei den Feuerwehren, Rettungskräften und im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, in speziellen Drohnen, in der Einsatzsteuerung oder in der Lagebild-Analyse, im Bereich Robotik, in der medizinischen Unterstützung im Einsatz vor Ort, aber auch in der Nachbereitung von Einsätzen diverser Art.
Der Bevölkerungsschutz erlebt derzeit eine deutliche Aufwertung. Welche Antworten will die INTERSCHUTZ 2026 auf neue Bedrohungslagen, hybride Szenarien und steigende Anforderungen an Kommunen und Einsatzorganisationen geben?
Die INTERSCHUTZ führt sehr viele Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen auf der Messe zusammen. Sie kommen sowohl aus den klassischen Disziplinen, wie beispielsweise aus der in Deutschland verantwortlichen Behörde, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Auch das THW ist als maßgebliche Säule und Flaggschiff des Bevölkerungsschutzes mit sämtlichen Verantwortlichen vor Ort. Diverse ausländische Bevölkerungsschutz-Organisationen, beispielsweise das Dipartimento della Protezione Civile aus Italien, sind ebenfalls vor Ort. Auch die Bundeswehr stellt im Bereich der zivil-militärischen Zusammenarbeit nicht nur als Aussteller aus, sondern präsentiert sich auch täglich im INTERSCHUTZ-Forum in Halle 17. Oberst i.G: Armin Schaus informiert persönlich jeden Tag zum OPLAN Deutschland und dazu, wie eine Vernetzung zwischen den Zivilorganisationen und der Bundeswehr aussehen sollte, um die Resilienz der Bevölkerung zu stärken. Dazu kommen mehr als 40 angemeldete, exklusive Besucherdelegationen, die sich ganz besonders zum großen Bereich Bevölkerungsschutz informieren möchten. Singapur, Taiwan, die USA, Südamerika, Dänemark – um nur einige Länder zu nennen – haben sich bereits mit wichtigen politischen und industriellen Delegationen angemeldet. Die INTERSCHUTZ fährt beim Thema Bevölkerungsschutz also einen breiten Ansatz: Die Aussteller zeigen ihre Kompetenzen und Innovationen in dem Bereich, die Besucher bringen ihrerseits Fachkompetenz und Experten mit. So gelingt der so wichtige internationale Austausch auf höchstem Entscheider-Niveau. Dafür steht die INTERSCHUTZ 2026.#
Die INTERSCHUTZ ist eine internationale Leitmesse. Welche Bedeutung haben die starke internationale Beteiligung und die Delegationen aus vielen Nationen für die Ausrichtung?
Man kann die Internationalität der INTERSCHUTZ nicht hoch genug aufhängen. Feuerwehr, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz sind keine Themen, die an Ländergrenzen enden. Es bedarf eines internationalen Netzwerkes quer über alle Disziplinen. Dafür stehen die mehr als 1.500 Aussteller aus aller Welt ebenso wie die mehr als 40 Delegationen, die dieses Jahr bereits zur INTERSCHUTZ angemeldet sind, par excellence. Sie alle sind es in Summe, die die Vernetzung, den Wissenstransfer, die Innovationen, das internationale Know-how und auch den Willen, die Welt gemeinsam resilienter und damit sicherer zu machen, mitbringen.
Worauf dürfen sich Besucher aus Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz inhaltlich besonders freuen: eher auf neue Technik, neue Taktiken oder neue Formen der Zusammenarbeit?
Auf alles drei. Denn das Eine hat keinen Wert ohne das Andere. Eine internationale Weltleitmesse wie die INTERSCHUTZ ist immer der Ort, an dem die Branche zusammenkommt, um ihre Kraft, Stärke und Kompetenz zu zeigen. Das geschieht auf vielfältige Art und Weise. Technik brilliert mit Innovationen, Taktiken sind die strukturgebende Grundlage aller Einsatzkräfte und werden auf einer Weltleitmesse zwischen den Experten diskutiert. Wie man zusammen arbeitet, sei es disziplin- oder länderübergreifend – das kann man nirgendwo komprimierter und besser besprechen als auf einer Messe, auf der die Welt und mit ihr alle Entscheider vertreten sind.
Welche Sonderformate und Programmhöhepunkte sollte man 2026 aus Ihrer Sicht keinesfalls verpassen – etwa WildfireCamp, Rettungsrobotik, FEU Leadership Conference, Smart Public Safety Hub, SAFETYTOUR oder CRASH DAYS?
Die alle und noch mehr, beispielsweise die CP-Konferenz. Auf unserer INTERSCHUTZ-Website und auch auf dem Geländeplan sind alle spektakulären Live-Vorführungen, Mitmachaktionen, Wettbewerbe und Fach-Konferenzen gelistet. Es empfiehlt sich daher, sich den Geländeplan genau anzuschauen und in der INTERSCHUTZ-App, die Ende April online sein wird, direkt zu markieren. So hat man einen guten Überblick über Zeiten, Orte und Aktionen.
Ein Punkt, der viele Leser besonders interessiert, ist die Aufteilung der Ausstellungsflächen. Wie gliedert sich die INTERSCHUTZ 2026 räumlich und thematisch auf dem Messegelände?
Der Geländeplan der INTERSCHUTZ hat sich zu 2022 nicht verändert. In den Hallen 12, 13, 27 und auf dem Freigelände geht es um den Bereich der Feuerwehr. Halle 13 beheimatet auch den vorbeugenden Brandschutz. Das Rettungswesen ist in Halle 26 und auf dem Freigelände. Die Hallen 14-16 zeigen alles rund um die Schutzausrüstung. Halle 17 ist die Bevölkerungsschutzhalle und in Halle 16 und 17 geht es um die Kommunikations- und Leitstellentechnik. Im Convention Center (CC) finden begleitende Kongresse, Fortbildungen und Seminare statt – wie die FEU Konferenz oder der vfdb-Kongress.
Können Sie die Hallen-, Freigelände- und Sonderflächenstruktur etwas näher erläutern? Welche Bereiche sind wo verortet, und wie findet der Besucher möglichst effizient zu den Themen, die für ihn besonders relevant sind?
Auf unserem Geländeplan sind sowohl die einzelnen Angebotsschwerpunkte der Messe eingezeichnet und farblich strukturiert und dazu die Sonderveranstaltungsflächen ausgewiesen. Wir weisen den Plan auch auf dem Gelände an diversen Stellen großflächig aus. Das gibt dem Besucher einen guten Rundumblick. In der INTERSCHUTZ-App kann man sich dazu ebenfalls informieren, die Aussteller- und Produktsuche nutzen und dazu die einzelnen Slots bei den Live-Vorführungen markieren, sodass man per Kalendereintrag direkt erinnert wird.
Künstliche Intelligenz ist eines der großen Zukunftsthemen. Wo sehen Sie heute bereits konkrete, belastbare Anwendungen für Leitstellen, Lagezentren und den Einsatzort – und wo liegen aus Ihrer Sicht die Grenzen?
KI ist für ganz viele Bereich mittlerweile unerlässlich. Wir kennen den Einsatz von KI beim Notruf in der Leitstelle. KI hört mit und denkt vor. Bei der Einsatzsteuerung und der Ermittlung des Lagebildes hilft KI, indem es aus der Menge vorliegender Daten ein belastbares, klares Bild formt, um so belastbare Handlungsempfehlungen geben zu können. Bei Drohnen und Robotik im Einsatz kann KI beispielsweise vermisste Personen per Wärmebild oder Mustererkennung identifizieren, Brandherde oder Glutnester erkennen oder im Fall von Robotern in gefährliche Bereiche gehen, ohne dass für die Einsatzkräfte Gefahr entsteht. Bei der medizinischen Unterstützung können Vitaldaten in Echtzeit überprüft werden, bei Diagnosen kann unterstützt werden, Stichwort Schlaganfall, und auch bei der Auswahl geeigneter Medikamente ist KI eine Unterstützung. Kurzum: KI kann sehr gute realistische Einsortierungen von Lagen leisten. Die Qualität der Handlungsempfehlungen hängt sehr stark von der vorliegenden Datenqualität ab. Genau dort liegt aus unserer Sicht der Schlüssel bzw. sind die Grenzen. Hochwertige, präzise Daten machen die KI zu einem schnellen, verlässlichen Helfer für den Menschen. Unpräzise und lückenhafte Daten sind im Einsatz eher hinderlich und kosten Zeit.
Die INTERSCHUTZ wirkt traditionell weit über das Messegelände hinaus. Welche Bedeutung haben flankierende Formate und die Einbindung Hannovers als Gastgeberstadt für das Gesamterlebnis der Messe?
Die INTERSCHUTZ und die Stadt Hannover sind eng verbunden. So findet am 10. Mai beispielsweise bereits die Blaulichtmeile statt, organisiert von der Feuerwehr Hannover, die als „Fachbereich Feuerwehr“ der Landeshauptstadt Hannover und damit dem Oberbürgermeister angehört. Das ist ein Tag der offenen Tür in der City von Hannover für Familien und alle Feuerwehr- und Rettungswesen-Interessierte. Es werden sämtliche Feuerwehrautos, Rettungswagen, THW-Fahrzeuge und dergleichen mehr ausgestellt, die alle besichtigt werden können. Die Einsatzkräfte stehen für alle Fragen zur Verfügung und zeigen so einerseits, wer sie sind und wer die Bevölkerung im Ernstfall schützt und in Notsituationen hilft. Und es wird erklärt, wie das gesamte Zusammenspiel überhaupt funktioniert. Die Details mögen den einen oder anderen durchaus erstaunen, zumal ein Blick hinter die Kulissen und Abläufe der Notrufnummer 112 nicht jeden Tag in dem Umfang und Zugang möglich ist.
Zum Schluss ganz grundsätzlich gefragt: Warum lohnt sich der Besuch der INTERSCHUTZ 2026 gerade in einer Zeit, in der Budgets, Personal und Aufmerksamkeit überall unter Druck stehen?
Eben genau deshalb. Wenn die internationale Weltleitmesse nach vier Jahren in Hannover an den Start geht, gibt es nicht einen Grund, nicht hinzugehen. Alle relevanten Unternehmen, Experten, Entscheider und Themen dieser Zeit sind an einem Ort an sechs Messetagen zu sehen. Wer das nicht nutzt, muss weitere vier Jahre auf das gebündelte Weltmarktangebot und seine Experten warten. Das darf in diesen Zeiten keine Option sein. ![]()