DAS COOLSTE FEUERWEHR-MAGAZIN

VANTASTIC

VanTastic

TEXT GERNOT FRIESCHER
FOTOS WOLFGANG SPEKNER

Es gibt zwei Möglichkeiten, sich in der Gesellschaft zu bewegen. Unauffällig wie eine graue Maus, ohne aus der Masse hervorzustechen, ist die eine Möglichkeit. Die andere ist es, sich in ein Fahrzeug zu setzen, das mehr Aufsehen erregt als ein plötzlicher Meteoriteneinschlag. BRANDHEISS entschied sich für die zweite Variante.

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Dieser Show-Bus hat dieselbe Eigenschaft wie die FireGirls™: Man(n) kann sich nicht satt sehen!
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Die sind schon 15 Minuten zu spät! Glaubst du, es ist etwas passiert?“, fragt der Fotograf, der mich zu einem kurzfristig vereinbarten Treffen auf einem Parkdeck eines Einkaufszentrums begleitet. Ein Treffen, für welches uns versprochen wurde, etwas ganz Besonderes zu sehen zu bekommen. Und da wir bei BRANDHEISS bekanntlich eine unverbesserliche Schwäche für „ganz besondere“ Geschichten haben, hielt uns natürlich nichts mehr in der Redaktion zurück.

„Hörst du das? Was ist das?“, fragt mich Wolfgang, der Fotograf, erneut und stößt mir dabei den Ellbogen in die Rippen. Die Wucht wird wohl ein Versehen gewesen sein oder sucht der Typ etwa Streit mit mir? Doch darüber denke ich nicht länger nach und knalle ihm die Antwort zurück: „Natürlich höre ich es! Klingt wie ein Donnergrollen in weiter Entfernung.“ Ein Blick in den wolkenlosen Himmel bestätigt allerdings, dass es das wohl nicht gewesen war. Wir drehen uns um, um die Ursache des bösen Grollens ausfindig zu machen. Prompt in diesem Moment merke ich, wie sich mein Gesicht unkontrolliert zu verformen beginnt – nämlich zu einem Grinsen, wie man es sonst nur von der berüchtigten „Grinsekatze“ aus Alice im Wunderland kennt. 

Der Auftritt – einfach brachial

Und plötzlich verstehen wir, was mit der Beschreibung „ein ganz besonderes Teil“ gemeint war. In Schrittgeschwindigkeit und mit einem mächtigen V8-Plubbern rollt ein Fahrzeug auf uns zu. Ein Fahrzeug, das in dieser Aufmachung so selten ist wie Batmans fahrender Untersatz. Wir lesen den Schriftzug und plötzlich ist alles klar! Es ist DER FireGirls™ Bus. Ich bin sprachlos und der Fotograf ebenso. Dafür hört sein Zeigefinger gar nicht mehr auf, den Auslöser seiner Kamera zu drücken. „Sorry für die Verspätung“, wirft uns der Fahrer als Begrüßung entgegen. „Aber ich wurde aufgehalten. Ein paar Jungs wollten beim Tanken unbedingt noch ein Foto vom Bus haben. Naja, sollen sie bekommen, jetzt bin ich ja hier. Und? Wie gefällt euch der Van?“ Wie er einem gefällt? Das ist leicht zu beantworten: „Ein geiles Teil ist es!“ Denn genauso mächtig wie der Sound des 5,7 L V8 ist auch die Erscheinung des Kolosses mit den hübschen Mädels am Heck. Mit seinen riesigen Abmessungen sieht jeder europäische Van aus wie ein halbwüchsiger Teenager neben Arnold Schwarzenegger. Dass sich die Lackierung und die Beklebung an amerikanischen Einsatzfahrzeugen orientiert, steigert natürlich den Hingucker-Effekt enorm.

FireGirls™ – Van
Länge x Breite x Höhe: 
5500 x 1950 x 2050 (ohne Lichtbalken) mm
Eigengewicht: 2700 kg
V-Max: 160 km/h (abgeriegelt)
Motorbauart, Zylinder: V8
Hubraum: 5734 ccm
Leistung: 180 kW (244 PS)
Gertiebe: Automatik
Anzahl der Sitzplätze: 8
Verbaute Licht- Akustikanlage:
US-Warnbalken nFORCE,
Blitzleuchte LED Slimline,
Bedien- Akustiksystem EUROSMART
Wert: 58.000 Euro laut Wertgutachten

Vom langweiligen Bus zum auffälligen Unikat

Während der Fotograf tut, was er am besten kann, nämlich den FireGirls™ Van aus allen erdenklichen Blickwinkeln zu fotografieren, lasse ich mir ein paar Infos über die Entstehung und den Umbau geben; schließlich sollen hier auch ein paar Zahlen, Daten und Fakten zu lesen sein.

Der Bus, der eigentlich ein Chevrolet Express mit Baujahr 2003 ist, fand seinen Weg aus den USA über eine amerikanische Botschaft nach Europa. Dort wurde er in der Originalfarbe Weiß als Botschaftsfahrzeug betrieben. Das hatte den Vorteil, dass für einen Van verhältnismäßig wenige Kilometer auf den Tacho gefahren wurden und der Bus von den eigenen Technikern der Botschaft regelmäßig gewartet wurde. Gehätschelt und verwöhnt trifft es wohl besser, das erklärt auch den hervorragenden Zustand des Express. Aufgrund des guten Netzwerkes der FireGirls™-Erfinder, fand der Bus seinen Weg nach Graz/Österreich, wo das Unternehmen FireGirls™ seinen Hauptsitz hat. Nun gut, die Farbe der Unschuld – Weiß – hat natürlich nichts auf einem Show-Fahrzeug der FireGirls™ verloren. Kurzerhand wurde der Van komplett in Schwarz lackiert. Mit unzügelbarer Begeisterung teilt uns der Fahrer mit: „Alleine durch die neue Lackierung in Schwarz war der Bus fast nicht wieder zu erkennen. Bei der Abholung von der Lackiererei fiel mir nur eine Bezeichnung ein: Black Beauty! Allerdings hatten wir keine Zeit zu verlieren. Unser Ziel war es, den Van erstmals auf der Interschutz in Hannover einzusetzen und viel Zeit blieb bis dahin nicht, zumal noch einige Arbeiten geplant waren.“ Mit den Arbeiten meinte er die sehr auffällige Folierung, die Montage eines extra aus den USA importierten LED-Warnbalken von nFORCE, eine Rundumbestückung von LED Blitzleuchten im US-Look sowie den Einbau eines professionellen Bedien- und Akustiksystems von EURO-SMART. Somit sieht der Bus nicht nur einem typischen US-Fire- & Police Van ähnlich, es wurden auch die originalen Licht- und Akustiksysteme verbaut. „Das ist bestimmt praktisch, wenn man es eilig hat“, rief uns der Fotograf entgegen, dem noch immer die Begeisterung über sein hubraumstarkes Fotomodel anzusehen war. Da man diese US-Profitechnik in Europa nicht an jeder Ecke kaufen kann, wurde die Hardware von der Firma eurosignal TRITEC GmbH, einem Spezialisten auf dem Gebiet der mobilen Signal-, Warn- und Lichttechnik, bezogen und programmiert. Den kompletten Einbau erledigte ebenfalls ein Fachmann für Feuerwehr-Spezialumbauten, die Firma Lang in Pinggau. Da der bereits erwähnte brachiale Sound bestimmt nicht standardmäßig für einen „Bus“ ist, wollte ich dem Fahrer auch noch entlocken, was denn auspufftechnisch gemacht wurde. Viel mehr als dass der Auspuffspezialist „MÄXXSON“ ein optisch ansprechendes Endrohr verbaut hat und an einer anderen Stelle ein wenig „Hand angelegt“ hat, war ihm allerdings nicht zu entlocken. 

Den ersten öffentlichen Auftritt absolvierte der Van bei der INTERSCHUTZ – natürlich mit den originalen FireGirls™

Aus jedem Blickwinkel eindeutig zu erkennen. Selbst auf dem Dach wurde ein riesiges Logo platziert.

Am Umbau beteiligte Firmen:

Lang Feuerwehrfahrzeugbau
www.fordlang.at
Eurosignal TRITEC
www.eurosignal.at
MÄXXSON
www.maexxson.at
Folienbeklebung Text & Design
www.druckhaus.at

Der Van lässt unter Benzinbrüdern die Herzen höher schlagen.
Wenn jedoch die FireGirls™ aussteigen, fängt es an zu rasen!

Ausfahrt zur Interschutz

Anfang Juni diesen Jahres war es dann soweit. Sämtliche Umbauten, Lackierarbeiten und Folierungen waren abgeschlossen und das war auch höchste Zeit, denn die Betreiber von FireGirls™ wollten ihrem Messeauftritt auf der Interschutz mit dem Show-Van den letzten Schliff verpassen. Auf der Messe wurde nämlich der Verkaufsstart des brandneuen FireGirls™ Kalenders 2016 eingeläutet und der Van sollte seinen ersten öffentlichen Auftritt vollziehen. Die kurze zur Verfügung gestandene Zeit war auch die größte Herausforderung für die am Umbau beteiligten Firmen. „Wir hatten nur einen einzigen Tag Reserve, wäre etwas schief gelaufen, hätten wir die Interschutz nicht mit unserem Van besuchen können“, verrät uns der Fahrer des wohl coolsten Vans weit und breit. Auf der weltgrößten Feuerwehrfachmesse war der ominöse Bus bald eines der Top Gesprächsthemen. Zweimal täglich fuhr der Van quer durch das Messegelände, um die originalen FireGirls™ vom Hotel direkt zur Messehalle zu chauffieren und dieselbe Prozedur am Abend in umgekehrter Reihenfolge wieder zu tun. Klar, mit eingeschaltetem Warnlicht und Folgetonhorn ging das vonstatten, sonst hätte jemand den Bus womöglich übersehen. Dass ein Ami mit fettem V8, viel Hubraum und natürlich Tempomat zum Kilometerfressen wie geschaffen ist, bestätigte der Fahrer: „Der Bus funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk, was bei den Amis allerdings nicht immer zutrifft. Die 1000 Kilometer nach Hannover hat er locker gemeistert. Bei 160 km/h regelt er ab und das ist im Sinne der Sicherheit auch gut so. Laufen würden die 240 Pferde wesentlich schneller.“

Nichts für Schüchterne

Eines ist bei dem Konzept des FireGirls™ Vans klar: Er muss nicht jedermanns Geschmack treffen. Aber er muss als Showcar auffallen. Und das tut er wie kein Zweiter. Angst vor Blicken darf man nicht haben, wenn man mit ihm unterwegs ist – egal, wo man sich befindet, die Kiste fällt extrem auf und zieht Blicke und den Autofokus der Handykameras an wie ein Magnet. Als unauffälligen Fluchtwagen für einen Banküberfall braucht man ihn somit nicht verwenden, obwohl reichlich Kohle darin Platz hätte. Aber der FireGirls™ Van soll auch gar nicht negativ in Erscheinung treten. Ganz im Gegenteil, er soll Emotionen und auch das Lebensgefühl der Marke FireGirls™ transportieren: Spaß am Leben, Freiheit genießen, Ziele verfolgen und, naja, sich am Anblick der nicht gerade unhübschen FireGirls™ erfreuen.

Apropos Anblick! Die nächste Gelegenheit, den Van inklusive der originalen FireGirls™ im Einsatz zu sehen, wird die Feuerwehrfachmesse R.E.A.S. in Montichiari/Italien sein. 

Als kleine Retourkutsche, dass mich der Fahrer keine Runde drehen hat lassen, wollte ich ihm zumindest irgendetwas Negatives entlocken. Tja, der Verbauch! „Aber sag einmal, wie viel schluckt euer Van eigentlich, muss doch reichlich durstig sein?“ Wenig beeindruckt von meiner „Retourkutsche“ antwortete er mir aus dem Fenster lümmelnd, während er die Black Beauty wieder startete: „Das haben wir nie wirklich ausgerechnet, werden so an die 20 Liter sein, man verbringt schon viel Zeit bei der Tankstelle. Das ist aber auch gut so, dann können die Jungs in Ruhe Fotos schießen.“

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