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Vier Jahrzehnte

Sicherheit gestalten

Vier Jahrzehnte Sicherheit gestalten

Interview: Mischa Stangl

Industrieelektronik Pölz verbindet Tradition und technische Präzision in 40 Jahren Familienbetrieb und gestaltet mit Leidenschaft smarte Lösungen für Einsatzkräfte in ganz Europa.

40 Jahre Familienbetrieb sind kein Zufall. Das ist das Ergebnis von Ausdauer, Sturheit im besten Sinn und dem unromantischen Willen, Probleme zu lösen, bevor sie im Einsatz zu echten Risiken werden. Industrieelektronik Pölz, kurz IEP, ist genau so gewachsen: aus der Praxis, mit Einsatzkräften, für Einsatzkräfte. Seit der Gründung 1986 durch Herbert Pölz zieht sich eine klare Linie durch die Geschichte des Unternehmens: Sicherheit muss funktionieren, wenn es stressig wird, nicht wenn es bequem ist.

Heute arbeiten Systeme von IEP in tausenden Fahrzeughallen und an mehr als 15.000 Einsatzfahrzeugen und Booten – mit dem Anspruch, dass Einsatzbereitschaft in Sekunden Realität wird und nicht nur ein schönes Versprechen bleibt. Und während Technik, Normen und Erwartungen sich verändern, bleibt eine Frage konstant: Wie schaffst du es, als Familienunternehmen über Jahrzehnte innovativ zu bleiben, ohne dich zu verbiegen? 

Zum 40-jährigen Jubiläum sprechen wir mit Martina Pölz aus der Geschäftsleitung über Anfänge, Entscheidungen, Reibungen, Wendepunkte und darüber, was ein Familienbetrieb aushalten muss, um europaweit relevant zu werden. 

Wenn du auf die Anfänge des Unternehmens zurückblickst: Was war die ursprüngliche Idee, mit der alles begonnen hat?

 Der Ursprung des Unternehmens liegt in einer praxisnahen Entwicklung. Gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Nettingsdorf und Firmengründer Herbert Pölz entstand das erste Batterietest- und -ladesystem. 

Welche Werte aus der Gründungszeit prägen Industrieelektronik Pölz bis heute am stärksten? 

Neben einer wahrhaften Kommunikation und Wertschätzung sowie ethischem Handeln zählen hochwertige Standards, Innovation sowie Verantwortung und letztendlich das Thema Nachhaltigkeit zu unseren Grundprinzipien. 

Wie hast du den Familienbetrieb in deiner Kindheit und Jugend erlebt? Eher als Selbstverständlichkeit oder als ständigen Begleiter? 

(lächelt) Eher beides, die Selbstverständlichkeit 24/7 selbst und ständig zu sein ist es seit Kindheit an ein selbstverständlicher Begleiter. 

Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde, dass du selbst eine aktive Rolle im Unternehmen übernehmen willst? 

Meine Hochachtung galt immer schon den Helfern und ganz besonders den freiwilligen im Einsatz, die vor allem zumeist unter schwersten Bedingungen ihr eigenes Leben zum Schutz der zu rettenden Person riskieren. 

Ich hatte keine andre Wahl. Die Freude an der Herausforderung und mit Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und Ausdauer im Gepäck wurde ich 2009 aus dem Strategischen Personalmanagement der voestalpine AG abgeholt und fand mich sehr schnell in so manchen Rollen wieder. 

Welche Eigenschaft deines Vaters war für den Aufbau des Unternehmens besonders entscheidend? 

(schmunzelt) „Unstoppable“ ist das Adjektiv, welches unseren lieben Papa am besten beschreibt. Ausgestattet mit unerschütterlicher Entschlossenheit setzte er seine Visionen in die Realität um und ließ sich auch von Rückschlägen nicht bremsen. Im Gegenteil seine Herausforderungen sah er als weitere Chance und die Konkurrenz als Motivation. Und Grenzen exisiter(t)en für ihn nur um sie zu überschreiten. 

Was war für dich persönlich der größte Schritt auf dem Weg in die Geschäftsleitung? 

(nachdenklich) Rückblickend war genau dieser Perspektivwechsel – vom „Ich optimiere meine(n) Bereich(e)“ hin zu „Ich trage Mitverantwortung für das Ganze“ – der entscheidende Schritt in die Geschäftsleitung. 

Welche Entscheidung hat dich in deiner Rolle bisher am meisten gefordert – fachlich oder menschlich?

Gesundheitliche Aspekte haben mich in meiner nun schon mehr als ein halbes Jahrzehnt zurückliegenden Vergangenheit dazu aufgefordert, meine Sichtweise zu ändern und die Prioritäten neu zu setzen. Ich durfte daraus lernen bzw. wurden meine Grundprinzipien bestätigt, dass jede Herausforderung eine Chance zur Weiterentwicklung bereitstellt und wie entscheidend offene Kommunikation und Empathie für gute Entscheidungen sind. 

Wie gelingt es euch, als Familie und als Geschäftsleitung klare Rollen zu leben? 

(lächelt) Trennung von Familie und Geschäft: Mein Bruder, der zweite Teil aus der Geschäftsführung, nämlich der gewerberechtliche, und ich versuchen bewusst zwischen Familienzeit und Arbeitszeit zu unterscheiden. Beruflich bezogene Themen sollen im beruflichen Kontext bleiben. Eine Herausforderung, die aus einem ständigen Lernen hervorgeht. 

Was unterscheidet einen Familienbetrieb aus deiner Sicht von einem rein extern geführten Unternehmen? 

Ein Familienbetrieb unterscheidet sich aus meiner Sicht von einem rein extern geführten Unternehmen vor allem durch Herzblut, Verantwortungsbewusstsein und Einsatzbereitschaft rund um die Uhr (24/7). 

Was hast du über Führung gelernt, das dir am Anfang noch nicht bewusst war? 

Mit der Zeit habe ich gelernt, dass effektive Führung viel mehr mit zwischenmenschlichen Fähigkeiten zu tun hat: Zuhören, Vertrauen aufbauen, Motivation fördern und die individuelle Entwicklung der Teammitglieder zu unterstützen. Ich habe erkannt, dass gute Führung nicht nur auf Autorität basiert, sondern auf Empathie, Kommunikation und dem Vorleben von Werten. Außerdem wurde mir bewusst, dass Fehler und Herausforderungen im Team oft Chancen sind, als Führungskraft zu wachsen, anstatt sie nur zu managen. Industrieelektronik Pölz arbeitet sehr nah an den Bedürfnissen der Einsatzkräfte. 

Wie wichtig ist dieser direkte Praxisbezug für eure Entwicklungen? 

Der direkte Austausch ist uns enorm wichtig, um das Feedback frühzeitig in die Entwicklung einfließen zu lassen und so die Anwender bestmöglich im Einsatz zu unterstützen. Zum einen um ihre Sicherheit in den Vordergrund zu stellen und zum anderen um eine Unterstützung zu bieten, damit sich die Leute im Einsatz auf das Wesentliche konzentrieren können, nämlich Menschenleben zu retten. 

Gibt es ein Feedback aus dem Einsatzalltag, das euch nachhaltig geprägt oder zum Umdenken gebracht hat? 

(ruhig) Grundsätzlich nehmen wir jede Kritik ernst und versuchen Verbesserungsvorschläge zum Nutzen unserer Kunden so rasch wie möglich in die laufende Weiterentwicklung unserer Produkte einfließen zu lassen.

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Kontinuität, Teamgeist und Mut zur Innovation sind unsere Erfolgspfeiler.
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Vier Jahrzehnte Einsatz
Von den ersten Batterietestgeräten im Feuerwehrfahrzeug bis zur modernen Firmenzentrale erzählt jedes Bild dieselbe Geschichte: Hier wurde nie Technik um der Technik willen gebaut. Industrieelektronik Pölz entwickelt Lösungen, die Stress, Hitze und Hektik im Einsatz aushalten und Feuerwehrleuten ein Stück mentale Ruhe schenken. 40 Jahre später stehen Kundenhalle, Produkte und Team wie ein Versprechen dafür, dass Verlässlichkeit, Lernbereitschaft und eine klare Haltung wichtiger sind als jeder kurzfristige Trend. Man sieht nicht nur Jubiläumsglanz, sondern ein Arbeitsleben, das konsequent Sicherheit über Bequemlichkeit gestellt hat.

Wie wichtig ist Teamarbeit im Unternehmen und woran merkt man, dass sie wirklich funktioniert?

(lächelt) Begegnung auf Augenhöhe und speziell dann, wenn das Zahnrad sich auch in Stresssituationen reibungslos weiterbewegt.

Was ist dir im täglichen Miteinander mit den Mitarbeitern besonders wichtig?

Respektvolles Miteinander und gegenseitige Wertschätzung.

Wie schafft ihr es, Erfahrung und neue Ideen im Unternehmen gut zu verbinden?

Wir filtern die gesammelten Ideen und setzen diese nach eingehender Marktrecherche bzw. Kosten-Nutzen-Analyse um.

Wenn du jemandem in wenigen Worten erklären müsstest, wofür Industrieelektronik Pölz steht – was würdest du sagen?

Industrieelektronik Pölz kurz IEP steht für:
I = Innovativ E = Einsatzbereit bzw. Erfahren P = Praxiserprobt

Wie hat sich das Unternehmen technisch und strukturell in den letzten 40 Jahren am stärksten verändert?

Wir haben auf digitale Systeme umgestellt, beispielsweise haben wir ein ERP-System eingeführt und sind dabei unsere Prozesse ständig zu optimieren, um in weiterer Folge die Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten.

Welche Produktentwicklung würdest du rückblickend als echten Meilenstein bezeichnen?

(zögernd) Das ist schwierig, weil Gleichberechtigung für mich sehr vielbedeutend ist und das in allen Bereichen. Ich möchte keines unserer Produkte auf bzw. abwerten, da jedes für sich einzigartig bzw. jedes ein Meilenstein für sich ist.

Wie gehst du persönlich mit der Verantwortung um, dass eure Systeme im Ernstfall zuverlässig funktionieren müssen?

(ernst) Respektvoll und mit Demut vor Wirkung. Die Konsequenz ist mir mehr als bewusst, deshalb führt das bei mir eher zu Sorgfalt als zu Angst. Aus diesem Grund werden Qualitätsstandards bei uns sehr ernst genommen, lieber einmal mehr hinterfragen, testen oder reviewen.

Wie schafft ihr den Spagat zwischen technischer Innovation und absoluter Betriebssicherheit?

Zum einen durch klare Trennung von Innovation und laufendem Betrieb. Betriebssicherheit hat immer Priorität. Schrittweise Einführung, automatisierte Tests, Vier-Augen-Prinzip, dann erst kommt es zur Entwicklung, sodass Innovation praxisnah und betriebssicher entsteht. Durch kontinuierliches Lernen leiten wir systematisch Verbesserungen ab und sorgen für stabile Systeme und nachhaltige Innovation.

Der Markt ist heute deutlich internationaler als früher. Was war der schwierigste Schritt auf diesem Weg?

(nickt) Wir waren und sind dazu aufgefordert bestehende Abläufe gezielt effizienter, schneller, kostengünstiger und qualitativ besser zu machen, ohne Risiken einzugehen, um dem zunehmend wachsenden Bürokratiekram Herr zu werden.

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung bei euren Entscheidungen?

Wir versuchen stets bei unseren Entwicklungen indirekt zur Optimierung der Arbeitsprozesse beizutragen und so Ressourcen zu schonen. Ein großes Augenmerk wird bei unseren Produkten auf Qualität gelegt, was eine Langlebigkeit unserer Gerätschaften zu Folge hat.

Was bedeutet für dich persönlich der Leitsatz „Ihre Sicherheit ist unser Auftrag“?

Unser Fokus bei der Entwicklung unserer Geräte liegt in erster Linie darauf, das „Leben der Einsatzkräfte“ zu schützen.

40 Jahre Industrieelektronik Pölz sind ein besonderes Jubiläum. Worauf blickst du mit dem größten Stolz zurück?

(lächelt stolz) Dieses Jubiläum ist für mich ein Beweis dafür, dass Kontinuität, Teamgeist und Mut zur Innovation die Eckpfeiler unseres Erfolges sind.

Wenn du in die Zukunft blickst: Was wünschst du dir für Industrieelektronik Pölz in den kommenden zehn Jahren?

Wenn ich in die Zukunft blicke, wünsche ich mir für Industrieelektronik Pölz, dass wir die Effizienz und Qualität unserer Produkte ständig steigern und so weiterhin wesentlich zur Sicherheit der Einsatzkräfte beitragen. Auch hoffe ich, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber bleiben und wir weiterhin eine nachhaltige Unternehmensstrategie verfolgen und auf diese Weise unsere Marktposition ausbauen, international wachsen und gleichzeitig einen positiven Beitrag zur Umwelt und Gesellschaft leisten.

Nach diesem Gespräch wird deutlich: Was 1986 als technische Idee in einem kleinen Familienbetrieb begann, ist heute ein verlässlicher Partner für Feuerwehren weit über die Landesgrenzen hinaus. Martina Pölz steht für eine Haltung, die Technik nicht isoliert denkt, sondern im Dienst der Menschen und genau das spiegelt sich in jedem Produkt, in jeder Entscheidung und in jedem Gespräch wider.

Vielen Dank an Martina Pölz für das offene, ausführliche und inspirierende Gespräch

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