HELDEN AUS EINER

ANDEREN WELT

Helden aus einer anderen Welt

TEXT GERNOT FRIESCHER
FOTOS ATSHUSHI OHKUBO / KODANSHA LTD.

Bevorzugen Sie Shonen-Mangas oder doch eher Shojo-Mangas? Oder lesen Sie mit Ihren Kindern überhaupt am liebsten Kodomo-Mangas? Sie verstehen kein Wort von dem, was hier steht? So ging es uns auch. Japanische Comics – Manga genannt – erfreuen sich aber immer größerer Popularität im deutschsprachigen Raum. Ein besonders erfolgreicher „Manga Comic“, namens Fire Force, entstand aus der Begeisterung für das Feuerwehrwesen. Ganz klar, da mussten wir unsere Nase hineinstecken und recherchieren.

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Manga und Anime sind seit den 1990er Jahren sehr beliebt. Inzwischen hat sich Manga auch in Deutschland seinen Platz erkämpft.
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Vereinfacht ausgedrückt beschreibt der Begriff Manga in Japan erschienene Comics. In unseren Breiten sind diese enorm fantasiereichen Geschichten erst seit den 1990er Jahren in nennenswerter Zahl vertreten. Dabei stellt der Manga-Markt den größten Comicmarkt der Welt dar. Die Wurzeln der japanischen Comics reichen angeblich bis ins Mittelalter zurück und stellen in Japan einen bedeutenden Teil der Literatur und Medienlandschaft dar. Die heute bekannte Form ist jedoch sehr stark von Einflüssen des 19. und 20. Jahrhunderts geprägt. Mittlerweile stellen Mangas, deren verfilmte Zeichentrickversion, die Anime genannt werden sowie die dazugehörigen Computerspiele ein beachtliches wirtschaftliches Standbein der japanischen Unterhaltungsbranche dar. Manga und Anime sind seit den 1990er Jahren sehr beliebt. Inzwischen hat sich Manga auch in Deutschland und Österreich seinen Platz erkämpft und wird als vollwertiger Comic betrachtet. Insbesondere die Themenvielfalt ist bei Manga das Attraktive. Es gibt Comedy-, Action-, Fantasy-Geschichten, viele Storys, die sich um das erste Verliebtsein oder auch um pure Leidenschaft in zwischenmenschlichen Beziehungen drehen. Darüber hinaus werden auch gesellschaftsrelevante Themen behandelt wie Mobbing oder das Leben am Arbeitsplatz.

FIRE FORCE – EINE SPEZIALEINHEIT MIT BESONDEREN FÄHIGKEITEN

Im Tokio des Jahres 198 des Sonnenkalenders leben die Menschen in Angst davor, dass ihre Mitmenschen plötzlich Feuer fangen könnten und sich in Flammenwesen verwandeln, die ihre Umgebung in Brand setzen. Gegen dieses Phänomen wurden Sondereinheiten der Feuerwehr gegründet. Als neues Mitglied tritt der Jugendliche Shinra Kusakabe der 8. Einheit bei. Er hat die Fähigkeit, seine Füße zu entflammen und sich blitzschnell zu bewegen. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Einheit kämpft er nun gegen die Flammenwesen und versucht, deren Ursache zu finden.

 

Die „Hauptdarsteller“ von Fire Force. Jede Figur verfügt über besondere Kräfte bzw. Fähigkeiten. Gemeinsam stellen sie die Sondertruppe der 8. Einheit in Tokio dar.

Bei Fire Force handelt es sich um einen Shonen Manga. Shonen Manga legen einen Fokus auf Action, Spannung und Abenteuer. Häufig handeln Shonen Manga von Leuten mit besonderen Fähigkeiten, so auch bei Fire Force. Die einleitend erwähnten Shojo und Kodomo Manga sprechen hingegen als Zielgruppe weibliche Jugendliche bzw. kleine Kinder an. Der Autor von Fire Force, Atsushi Ohkubo, ist fasziniert vom Feuer und wollte schon immer eine Story entwickeln, die sich mit dem Thema befasst. Zusätzlich findet er Feuerwehrmänner sehr cool und sie stehen auch in logischer Verbindung mit dem Feuer. So ergab sich die Idee zu Fire Force. Insbesondere die Feuerwehruniformen haben es dem Autor angetan. Zu Recherchezwecken hat Ohkubo eine Feuerwehrstation in Tokio besucht und sich dort mit echten Feuerwehrmännern unterhalten. Im Rahmen dieses Treffens durfte er auch in die Uniform schlüpfen, was ihm sehr gefallen hat. Dennoch sind die Uniformen in Fire Force aus optischen Gründen (die US-Variante gefällt ihm besser) an die amerikanische Schutzbekleidung und nicht an jene in Tokio angelehnt.

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Die Vielzahl an Manga wächst laufend. Noch nie war das Angebot so vielfältig wie heute – es gibt für jeden Geschmack ein passendes Thema.
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SEIT 2019 AUCH ALS ANIME IN DEUTSCHLAND ANGEKOMMEN

Nachdem der Autor bereits vor circa 11 Jahren mit einer anderen Serie seinen großen Durchbruch in Deutschland feierte, wurde der Start von Fire Force 2015 heiß erwartet. Der Erfolg der Serie ist nach wie vor ungebrochen, insbesondere seit 2019 der Anime auf Deutsch angeboten wird. Dadurch hat sich die Fire Force-Fanbase nochmals vergrößert. „Generell ist die Akzeptanz hierzulande stark gestiegen und es ist viel Bewegung im Markt. Noch nie war das Angebot so vielfältig und umfassend wie heute – es ist für jeden Leser ein passendes Thema dabei“, so Benedict Reichelt. Seinen Aussagen kann man durchaus Glauben schenken, immerhin ist er das öffentliche Sprachrohr der TOKYOPOP GmbH, einer der führenden Anbieter von japanischen Manga im deutschsprachigen Raum. Von einer Randerscheinung der Unterhaltung kann in Deutschland nicht mehr die Rede sein. Mit knapp 150.000 verkauften Exemplaren war der Band 1 des Mangas „Death Note“ alles andere als ein Nischenprodukt, von dessen Verkaufszahlen ein Feuerwehrmagazin ohnehin nur träumen kann.  

Über den Onlineshop der TOKYOPOP GmbH können auch ganz bequem alle Ausgaben von Fire Force erworben werden. Aktuell sind 16 Bände erschienen und monatlich kommt ein Neuer hinzu. www.tokyopopp.de