Wenn auch

die Erde

BRENNT

Wenn auch die Erde brennt

TEXT ROBERT SPERL, FF GRÖDING
FOTOS FW GRÖDING & FMT

Zwei Tage lang waren Einsatzkräfte im Salzburger Grödig mit einem schwierigen Latschenbrand konfrontiert, der sowohl ober- als auch unterirdisch aktiv war. Mit dem Flugbetrieb alleine wurde nicht das Auslangen gefunden, sodass sich auch eine Bodenmannschaft ins schwierige Gelände aufmachen musste, um die hartnäckigen Glutnester auszuhebeln.

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Ein Grosser
Dank an alle
beteiligten Kräfte
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Eine bis in die Stadt Salzburg sichtbare Rauchsäule ist am 5. November 2018 um 10.30 Uhr der Grund für die Alarmierung der Freiwilligen Feuerwehr Grödig sowie des Löschzuges Fürstenbrunn. Seitens der Landesalarm- und Warnzentrale wird ein Flächenbrand am Untersberg gemeldet, der auf einer Seehöhe von etwa 1.180 m seinen Ausgang genommen hat.

AKTIVIERUNG DES ALARMPLANS “WALDBRAND”

Bei Eintreffen von Voraus und Tank Grödig wird bei der Talstation eine Erkundung der Lage durchgeführt und daraufhin der Sonderalarmplan Waldbrand ausgelöst. Für die Ortsfeuerwehr wird Großalarm ausgelöst. Sämtliche Kräfte, die sich nicht in Grödig befinden, werden nach Grödig beordert. Auch erfolgt die Alarmierung des Löschzuges Niederalm der Feuerwehr Anif und des Einsatzleitfahrzeuges Flachgau aus Eugendorf. Spezifische Sondergerätschaften wie die Waldbrandausrüstung und das Kerosinfahrzeug werden von den Stützpunkten aus Koppl und dem Landesfeuerwehrverband Salzburg angefordert, ebenso eine ausreichende Anzahl an Flughelfern aus dem gesamten Flachgau.

FEUER IN STEIL ABFALLENDEM LATSCHENFELD

Der Brand breitet sich inzwischen auf ein ca. 800 m² steil abfallendes Latschenfeld aus. Zu diesem Zeitpunkt halten sich noch acht Mitarbeiter der Seilbahn und einer Wartungsfirma im Gefahrenbereich auf. Sie können zwar nach oben flüchten, sitzen dort aber fest und können nur aus der Luft gerettet werden. Nachdem sich der Brand in einer äußerst exponierten Lage befindet, die zu Fuß nur durch Klettern zu erreichen ist, wird von der LAWZ-Salzburg sofortige Luftunterstützung mittels Hubschrauber angefordert.

VORBEREITUNGEN FÜR DEN HUBSCHRAUBEREINSATZ

Für die Befüllung der Hubschrauberflotte platziert man extra dafür vorgesehene Faltbecken. Die Wasserversorgung erfolgt sowohl durch Hydranten als auch durch Saugstellen beim Almkanal, die durch den LZ Niederalm und den LZ Fürstenbrunn betrieben werden. Der AS-355 Ecureuil (BMI) und die Alouette III (ÖBH) werden mit 500 Liter Bambi Buckets, die Agusta Bell 212 mit dem 1.000 Liter Bambi Bucket ausgestattet. Für den Sikorsky S-70 Blackhawk fordert man vom Landesfeuerwehrverband Oberösterreich den Semat-Behälter mit einer Kapazität von 3.000 Liter an. Angrenzende Landwirte und Pferdehalter werden aufgefordert, ihre Tiere in den Stallungen zu belassen.

FLUGBETRIEB WIRD RASCH AUFGENOMMEN

Nach rund 30 Minuten sind bereits die Hubschrauber des Innenministeriums vor Ort und starten mit dem AS-355 Ecureuil den ersten Löschangriff. Zur Unterstützung wird vom BMI außerdem noch der Eurocopter EC-135 FLIR (Forward Looking InfraRed) geschickt, der mittels Wärmebildkamera die Brandausbreitung bzw. die Löscherfolge verfolgen kann.

Wenige Augenblicke später trifft die SAR (Search and Rescue) Alouette III des österreichischen Bundesheeres ein und beginnt mittels Taubergung und Flugretter die eingeschlossenen Mitarbeiter aus dem Gefahrenbereich auszufliegen. Nach dem Abschluss des Rettungseinsatzes ist es möglich, den Löscheinsatz aus der Luft in vollem Umfang durchzuführen.

Kurz darauf trifft noch eine Agusta Bell 212 des österreichischen Bundesheeres ein und beteiligt sich mit einem 1.000 Liter Löschbehälter an den Löschflügen. Jetzt werden im Rotationsverfahren permanent Löschflüge der drei Hubschrauber durchgeführt. Am frühen Nachmittag fliegt dann auch der Sikorsky S-70 Blackhawk aus. Der Blackhawk kann im Gegensatz zu den anderen operierenden Maschinen mit dem Semat-Behälter insgesamt 3.000 Liter Löschwasser pro Flug transportieren. Die Befüllung dieses Behälters wird parallel mit zwei B-Leitungen durchgeführt.

Die Betankung der Hubschrauber mit Kerosin erfolgt vor dem Feuerwehrhaus unter ständiger Aufsicht des Wasserversorgers (Salzburg-AG), da sich der Landeplatz für die Betankung im Trinkwasserschutzgebiet befindet.

 

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Genau dieses
Szenario wurde
schon geübt
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LÖSCHWASSERABWÜRFE ZEIGEN ERSTE ERFOLGE

Die Löschflüge zeigen bald Wirkung und der Brand kann zumindest unter Kontrolle gebracht werden. Die Hubschrauberbesatzungen vom Bundesministerium und vom österreichischen Bundesheer fliegen bis zum Einbruch der Dunkelheit, müssen den Flugbetrieb dann kurz nach 16.30 Uhr einstellen und bis zum Anbruch des Folgetages aussetzen.

Die Feuerwehr Grödig nutzt diese Atempause, um all die benötigten Gerätschaften zu reinigen, zu warten und die Fahrzeuge wieder einsatzbereit zu machen. Es war doch einiges an Material nötig, um die fünf Landeplätze für die Einsatzmaschinen betreiben zu können.

EINSATZ DER “INFANTERIE” AM BODEN ERFORDERLICH

Bereits kurz nach 5:30 Uhr startet die Feuerwehr Grödig in den zweiten Einsatztag. Der Eurocopter EC-135 FLIR startet einen ersten Erkundungsflug und macht Aufnahmen vom Brandort mittels Infrarotkamera. Auf den Fotos sind fünf größere Glutnester erkennbar, wo man davon ausgehen kann, diesen mit ein paar Löschflügen den Garaus bereiten zu können. Die Hoffnung auf den Einsatzerfolg zerschlägt sich jedoch. So wird die Entscheidung getroffen, Mannschaft und Gerät (Wärmebildkamera, Löschrucksäcke, Hacken und Motorkettensägen) zum Brandort zu fliegen. Nachdem das Gelände gefährlich, steil und abschüssig ist, erklären sich Mitglieder der Bergrettung Grödig und der Höhenrettungsgruppe der Feuerwehr Grödig bereit, diesen schwierigen und nicht ungefährlichen Einsatz durchzuführen.

FEUER BRENNT UNTER DER OBERFLÄCHE WEITER

Die Bodentruppen starten sofort nach dem Absetzen und Vorbereiten der Gerätschaften mit ihrem kräfteraubenden Einsatz. Verbrannte Latschen werden weggeschnitten, der Boden mittels Waldbrandhauen stellenweise aufgehackt und unter Zuhilfenahme der mitgeführten Löschrucksäcke punktuell gelöscht. Es kristallisiert sich jedoch schnell heraus, dass das Feuer nur an der Oberfläche gelöscht werden kann. Im Boden brennt es weiter bzw. breitet sich darüber auch weiter aus. Diese neue Lageinformation veranlasst die Einsatzleitung die am Vorabend aus dem Einsatz herausgelösten Hubschrauber Agusta Bell 212 und Alouette III des österreichischen Bundesheeres erneut zu reaktivieren und weitere Kräfte (LF-A der Feuerwehr Anif) zu alarmieren.

BODENTRUPPS UND FÖHN ALS HERAUSFORDERUNG

Die Herausforderung liegt nun darin, die Löschflüge der insgesamt vier (am unmittelbaren Löscheinsatz beteiligten) Hubschrauber mit der Mannschaft am Brandort zu koordinieren, da sich diese vor Abwurf des Löschwassers immer in Sicherheit bringen bzw. sichern müssen. Eine nicht unwesentliche zusätzliche Gefahr für die Hubschrauberbesatzungen stellen neben den Stahlseilen der Seilbahn und der 48 Meter hohen Stütze die Föhnwinde dar.

Im Dauerbetrieb werden nun die vier Hubschrauber von der Einsatzmannschaft bei den Landeplätzen mit Löschwasser befüllt. Parallel dazu arbeitet das fünfköpfige Team am Brandort und legt unter Zuhilfenahme der Wärmebildkamera ein Glutnest nach dem anderen frei. Die anfliegenden Maschinen werden sowohl von der Mannschaft am Brandort als auch vom Eurocopter EC-135 FLIR (BMI) fast punktgenau zu den Glutnestern gelotst, um diese gezielt ablöschen zu können.

AUFHACKEN UND LÖSCHEN

Diese Taktik bewährt sich und zeigt nach einiger Zeit auch Wirkung. Nach und nach werden die Brandstellen lokalisiert, der Boden aufgehackt und an die Löschhubschrauber zur Brandbekämpfung durchgegeben. Nach Beendigung der Arbeiten wird die eingesetzte Mannschaft mittels Taubergung wieder ins Tal zurückgeflogen. Ein daraufhin folgender Erkundungsflug des BMI Eurocopter EC-135 FLIR liefert zudem neue Infrarotaufnahmen vom Brandort mit einem ausgezeichnetem Ergebnis: Es können keine Wärmequellen mehr ausgemacht werden.

AUFRÄUMEN NACH 29 STUNDEN

Nach insgesamt 29 Stunden kann am Dienstag, 6. November 2018, um 15:30 Uhr endlich „Brand aus!” gegeben werden.

Gegen 16 Uhr kann der Einsatz beendet und – nachdem die sechs Hubschrauber abgeflogen waren – mit den Aufräumarbeiten begonnen werden. Die Versorgung, Reinigung und Instandhaltung sämtlicher eingesetzter Gerätschaften dauert noch bis in die Abendstunden. Danach konnte die Einsatzbereitschaft wieder hergestellt werden.

EINSATZ VON LÖSCHMITTEL

Damit das Löschwasser besser in den Boden eindringen kann, wurde an beiden Einsatztagen ein Netzmittel in Absprache mit den Behörden zugemischt. Zum Schutz des Trinkwassers wurde das Schaummittel Bio FOR N 1% – vollständig biologisch abbaubar – ohne Fluorderivate verwendet. In Summe wurden zu den 225.000 Liter Wasser ca. 80 kg Netzmittel (=> Zumischrate von 0,035%) beigemengt. In den vorsorglich durchgeführten Trinkwasseruntersuchungen in den Folgetagen wurden keine wassergefährdenden Stoffe gefunden.

FAZIT

Ein wesentlicher Bestandteil der raschen Reaktionszeit und Abwicklung dieses schwierigen Einsatzes war, dass exakt dieses Szenario vor zwei Jahren in einer Bezirkskatastrophenübung geübt worden war. Der Übungsort bzw. angenommene Waldbrand lag keine 100 Meter Luftlinie vom jetzigen Einsatzort entfernt. Der einzige Unterschied war, dass die Seilbahn dieses Mal aufgrund der Revisionsarbeiten taktisch nicht in den Einsatz miteingebunden werden konnte. Der Sonderalarmplan Untersberg Waldbrand musste lediglich „aus der Schublade” gezogen und mit kleineren Adaptionen abgearbeitet werden.

TEAMARBEIT ALS ERFOLGSGARANT

Robert Sperl abschließend: „Wir bedanken uns an dieser Stelle neben all den eingesetzten Kräften der Feuerwehr, des Roten Kreuzes und der Polizei im Speziellen bei den Piloten und den dazugehörigen Crews bzw. Flugrettern und -helfern der Flugpolizei und des österreichischen Bundesheeres für den unermüdlichen und nicht immer ungefährlichen Einsatz! Wir danken auch der Bergrettung für die enge Zusammenarbeit und den selbstlosen Einsatz.