DAS COOLSTE FEUERWEHR-MAGAZIN

AUF DER GANZEN

WELT ZUHAUSE

AUF DER GANZEN WELT ZUHAUSE

TEXT LEA WÖLK & PHILIP STEUDING, GERNOT FRIESCHER
FOTOS THE.REDCAMPER.DE

Eigentlich war diese Ausgabe von BRANDHEISS schon fertig für den Druck, als wir bei Recherchen auf einen ehemaligen Feuerwehrbus gestoßen sind, der in seinem zweiten Leben als Wohnmobil fungieren darf. In diesem Fall liegt die Betonung wirklich auf WOHNEN, denn Lea und Philip – ein wirklich freiheitsbedürftiges Paar – haben ihre Wohnung aufgegeben, um die Welt mit ihrem Camper zu bereisen. In Zeiten von COVID-19, in denen positive und lebensfreudige Berichte selten geworden sind, stellt die Geschichte von Lea, Philip und ihrem „Weltreise-Projekt“ eine willkommene Abwechslung dar.

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Auf der ganzen Welt zu Hause sein.
Was gibt es Besseres?
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Campen und seinen Urlaub im Wohnmobil statt in einem Hotel zu verbringen erfährt derzeit einen regelrechten Boom. Mit dem Ausbruch der weltweiten Corona-Pandemie sind die Möglichkeiten dieser Leidenschaft nachzugehen momentan allerdings massiv eingeschränkt. Was Lea Wölk und Philip Steuding, einem Ehepaar aus dem Thüringer Wald, unter Campen verstehen, hat mit den üblichen Vorstellungen eines Camping-Urlaubes allerdings wenig zu tun. Für Lea und Philip ist die Leidenschaft die Welt auf eigene Faust zu erkunden und zu erleben regelrecht zu einer Lebenseinstellung geworden und in Kürze werden sie sich mit ihrem umgebauten Feuerwehrbus auf Weltreise begeben.

Sie machen ihr Ding

Lea hat schon als Kind keine Einfamilienhäuser mit Garten gemalt, sondern Berge, Meer und Dattelpalmen. Apropos Datteln: Lea ist immer auf der Suche nach der nächsten kulinarischen Offenbarung. Bunte mediterrane Märkte und dampfende Garküchen auf der ganzen Welt sind ihr zweites Zuhause.

Philip hingegen vergisst auf der Suche nach der nächsten technischen Lösung für den Bus auch gerne mal die Zeit in der Werkstatt und träumt von der nächsten Pause an einem einsamen Ort irgendwo auf der Welt. Als Improvisationstalent entdeckt er die Welt am liebsten am Steuer eines Oldtimers oder mit dem Rucksack.

Die beiden verbindet ihre Liebe zur Natur und zum draußen aktiv sein – und natürlich die Leidenschaft zum Reisen und Weltenbummeln.

 

 

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Unser Zuhause wird mobiler denn je!
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Wir haben uns entschieden, in einem Bus zu leben.

Urlaub in einem Camper zu machen ist eine Sache, die eigene Wohnung aufzugeben und in einem umgebauten Feuerwehrbus zu wohnen eine ganz andere. „Zugegeben, unsere Wohnung aufzugeben stand nicht von vornherein fest. Mit dem Entschluss zu einer 10-monatigen Reise gen Osten war für mich aber auch klar, dass ich danach nicht einfach wieder die neu gewonnene Freiheit gegen die Enge einer Wohnung oder die lebenslange Bindung an ein Haus tauschen möchte und kann“, erklärt Lea ihren persönlichen Zugang zu dieser Entscheidung und unterstreicht ihre Begeisterung fürs Campen mit einer Anekdote: „Ich erinnere mich noch, als wir das erste Mal den Wohnwagen meiner Eltern ausgeliehen hatten und Philip mich mit den Worten „Jetzt geh mal raus, ich will auch mal rein“ aus dem Anhänger beförderte. Das ist jetzt fünf Jahre her.“ Auch Philip hat so seinen eigenen Zugang zu diesem nicht ganz alltäglichen „Lifestyle“: „Einfach, bewusst und minimalistisch leben, dabei die Lebenszeit in den Vordergrund stellen, mich auf den Moment fokussieren und meinem Alltag in der täglichen schnellen Welt etwas die Geschwindigkeit nehmen oder besser: meine eigene Geschwindigkeit geben, das sind die Dinge, die ich mit dem Leben im Bus verbinde. Mit dem eigenen Zuhause an die entlegensten Orte der Welt zu reisen und die Einfachheit unterwegs schaffen für mich Klarheit.“ Diese Einstellung ist bei Philip jedoch erst im Laufe der Zeit herangewachsen. „Als Kind gab es für mich eigentlich nur einen bestimmten Ort, an den ich (10 Jahre lang und jedes Jahr) reisen wollte – die Ostsee. Meine Eltern verzweifelten manchmal an mir, weil ich nicht in den Flieger steigen wollte, um andere Orte zu bereisen. Warum auch? Die Ostsee war für mich perfekt.“

Doch dann, genau zur Zeit von Philips Abitur, trat Lea in sein Leben und zeigte ihm, dass es auch andere wunderschöne Orte gibt, die es wert sind bereist und erlebt zu werden. Der Grundstein zur gemeinsamen Wanderlust war gelegt.

Lea und Philip sind zwei leidenschaftliche Weltenbummler aus dem Thüringer Wald. Der Dritte in dieser Dreiecksbeziehung ist „Wehri“, ein ehemaliger Transporter der Feuerwehr Witzenhausen. Von Philip mit viel Liebe zum Detail eigenhändig umgebaut steht dem Trio nun die Welt offen.

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Wir hatten richtig Bock auf den Umbau und auch schon etwas Erfahrung
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Willst du meine Frau werden?

Lea und Philip sind konsequent! Nicht nur beim raffinierten Umbau des ehemaligen Einsatzfahrzeuges, auf den wir später näher eingehen, sondern auch bzw. gerade bei „ihrer“ Lebenseinstellung. 10 Jahre nachdem sich die beiden Individualisten kennengelernt haben, schlugen sie ein weiteres großes Kapitel in ihrem Leben auf und das taten sie gemeinsam als Mann und Frau. Im Kreise der Familie, Freunde und Weggefährten und zelebrierten ihre ganz persönliche Waldhochzeit auf einer Lichtung, die sie bei ihrer gemeinsamen Samstagsjoggingrunde zufällig im Wald entdeckt hatten. Die erste Nacht als Ehepaar haben die beiden an ihrem Herzensort verbracht – natürlich im Bus.

Aus einem Mercedes Benz 310 wurde „Wehri“

„Nach unserem Bus haben wir nicht gesucht, wir haben ihn gefunden!“, erklären die Beiden ihre Wahl des Vehikels und diese macht durchaus Sinn. Der ehemalige Transporter der Feuerwehr Witzenhausen ist geländetauglich und verfügt über einfache und solide Technik. Gerade die Geländetauglichkeit bzw. das Off-Road-Potential war für die Abenteurer ein wichtiger Faktor und die meisten klassischen Wohnmobile geben das eben nicht her.

„Wehri“, die eigentlich ein Mercedes Benz 310 Transporter mit Baujahr 1987 ist, bringt bei guter Verfassung 95 PS aus ihrem 2,3 l Benzinmotor – ausreichend um den 2,6 t schweren ausgebauten Bus im Wohlfühltempo zu bewegen. Die Entscheidung für einen Benziner wurde dabei bewusst getroffen, denn in den zukünftigen Reisezielen in Asien ist Benzin wesentlich einfacher zu bekommen als Diesel. Auch ohne 4×4 Antrieb schaukelt der MB 310 Lea und Philip über Waldwege, Schotterstraßen oder Wiesen an den nächsten einsamen Stellplatz. Dafür wurde der Bus extra mit einer Höherlegung und robusten 16 Zoll Reifen von Goodrich, die auf Dotz Dakar Felgen aufgezogen sind, ausgestattet. Das sieht nicht nur echt offroadmäßig aus, sondern soll Reifenpannen möglichst vermeiden.

Sieht gut aus und ist auch multifunktional

Die auffälligen Rohre am Dach waren früher Abwasserrohre und wurden zu einer 37 Liter fassenden Solardusche umgebaut. Dieses Solarpanel von SolarWorld leistet unter idealen Bedingungen bis zu 300 Watt. Um auch gleich beim Strom zu bleiben: Die Batterien können entweder über Landstrom, Solar oder während der Fahrt über einen Ladebooster geladen werden. Autarkes Camping ist mit den zwei verbauten  100 ah AGM Batterien, die alle Verbraucher mit ausreichend Strom versorgen können, möglich. Wie bereits erwähnt haben Lea und Philip auch die Hochzeitsnacht im Bus verbracht. In ihrem 1,80 x 1,65 m großen Bett hatten sie dafür ausreichend Platz. Das Bett kann schnell und einfach zu einer Sitzecke umfunktioniert werden.

Wenn es draußen einmal ungemütlich kalt werden sollte, sorgt eine benzinbetriebene Standheizung von JP Parking Heater dafür, dass es im Bus kuschlig warm bleibt. Das Design im Innenraum ist minimalistisch und im skandinavischen Stil gehalten, aber trotzdem gemütlich. „Auf unsere Küche und die Dachterrasse sind wir besonders stolz“, antworteten die beiden auf die Frage, was ihnen am Ausbau besonders gefällt.

Unweigerlich stellt sich früher oder später die Frage, wie sich denn der von Philip eigenhändig durchgeführte Umbau zu Buche geschlagen hat? Mit erstaunlich überschaubaren 5600,- Euro konnten Lea und Philip alle Arbeiten und Materialien finanzieren. Dabei haben die beiden jede einzelne Schraube selbst verbaut.

Auf dem Blog der beiden Weltenbummler (www.theredcamper.de) oder auf Instagram (@the.redcamper) können Interessierte die gesamte Umbau-Story nachverfolgen. Hier gibt es sogar Tipps zum eigenen Van-Ausbau oder dazu, wie man den für sich idealen Camper findet. Ab März brechen Lea und Philip auf in ihr Reiseabenteuer und nehmen Reisebegeisterte online mit auf Tour. Doch Vorsicht! Sie könnten sich beim Stöbern mit dem Virus der Freiheit infizieren.

Der beinahe 35 Jahre alte Bus war bei der Feuerwehr nur knapp 40.000 km gelaufen. Bekanntlich weisen die meisten Feuerwehrfahrzeuge trotz Jahrzehnten im Einsatz eine geringe Laufleistung auf. Das wird sich als „Red Camper“ allerdings ändern, denn es steht eine Weltreise auf dem Plan.

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