Frauen

unter sich

Frauen unter sich

TEXT JULIA SIMON
FOTOS HAIX

Frauen wollen ihren Mann stehen. Das ist auch gut so. Von der Männer-Sauna-Runde abgesehen bereichern sie nämlich jede Einrichtung oder Institution enorm. Ein Frauenanteil von unter 10 % bei Freiwilligen Feuerwehren bietet aber noch reichlich Luft nach oben. Ein THL-Training mit ausschließlich Teilnehmerinnen ist daher durchaus noch etwas Besonderes.

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Das Vorgehen unterscheidet
sich bei der Frauengruppe.
Es wird im Team
stärker zusammengearbeitet.
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Frauen unter sich – das fällt im Umfeld von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk sofort auf und nach der Begrüßung und dem ersten gegenseitigen Kennenlernen sind sich die zwölf Teilnehmerinnen einig: Im Großen und Ganzen werden Frauen in Feuerwehr und THW von den Kameraden akzeptiert und gut aufgenommen. Natürlich kann jeder Geschichten erzählen von skeptischen oder diskriminierenden Kommentaren. Aber im Einsatz-Alltag spielt das keine Rolle. In der Gruppe von 12 Frauen aus ganz Deutschland sind Atemschutzgeräteträgerinnen, Gruppenführerinnen, Maschinistinnen und auch eine THWlerin dabei. Von der kleinen Dorffeuerwehr bis zur großen Stadtteilwehr ist alles vertreten.

 

GEMISCHTE GEFÜHLE

Lara aus Norderstedt fasst zusammen, was wahrscheinlich nicht nur ihr durch den Kopf ging: „Am Anfang war ich skeptisch – ein THL-Training nur mit Frauen? Kann das gut gehen? Nicht weil ich dachte, dass wir es technisch oder kräftemäßig nicht können, sondern weil der Gedanke für mich tatsächlich neu war, nur mit Frauen zusammen zu arbeiten. Aber die Skepsis ist bei der Ankunft sofort verflogen. Ich wusste, das klappt mit uns! 12 Frauen, unterschiedliche Charaktere, verschiedene Regionen und doch hatten wir einen gemeinsamen Nenner: Die Bereitschaft und den Willen zu helfen – egal ob beim THW oder bei der Feuerwehr.“ Zum Weltfrauentag hat HAIX in Kooperation mit der Vereinigung zur Förderung des deutschen Unfallrettungswesens e.V. (VFdU) ein Intensiv-Training in der Verkehrsunfallrettung verlost. Aus über 100 Bewerbungen engagierter Powerfrauen wählte HAIX die Gewinnerinnen aus.

 

INTENSIVES PROGRAMM

Um 9 Uhr startete der Tag mit einem Theorieteil, um alle Teilnehmerinnen auf den gleichen Wissensstand zu bringen. Beim Erkunden der Unfallstelle kann zum Beispiel die AUTO-Regel helfen, um alternative Antriebstechniken an verunfallten Fahrzeugen zu erkennen: Gibt es Auslaufende Betriebsstoffe, wie sieht der Unterboden des Fahrzeugs aus, hat es einen Tankdeckel, lässt die Oberfläche Rückschlüsse zu? Bei vielen Elektro-Modellen gestalten die Hersteller das Design beispielsweise mit blauen Zierelementen.
„Dach ab“ oder „große Seitenöffnung“ hat jeder schon einmal gehört. Aber wer kennt im Süden schon die „Fischdose“? Bei dieser Technik werden das Dach und der Kofferraum des Autos so mit der Rettungssäge und mit dem Spreizer bearbeitet, dass am Ende das Dach nur noch mit vereinten Kräften nach vorne umgeklappt wird.
Am Nachmittag wartet ein richtiger „THL-Spielplatz“ auf die Teilnehmerinnen. An Unfallfahrzeugen, die nur darauf warten zerlegt zu werden, mangelt es nicht. Drei Rettungssätze von Weber und Lukas kommen zum Einsatz, hydraulisch und akkubetrieben. Am Anfang verkünden die Frauen noch selbstbewusst: „Wir zerlegen jedes Fahrzeug!“ Am Ende des Tages sind es dann doch „nur“ drei Autos, die die Teilnehmerinnen auseinandergenommen haben.
Alle Arbeiten werden im Team gemeistert. Das unterscheidet die Frauen-Gruppe von anderen Gruppen. „Sonst haben wir schon immer mal vereinzelt Frauen in unseren Gruppen dabei, aber eine komplette Frauentruppe, das hatten wir noch nie“, erzählt Ingo Mackenstedt vom VFdU. Von so viel Frauenpower sind auch die Trainer am Ende des Tages begeistert. Für sie war es ebenfalls eine ganz neue Situation. Aber alle sind sich einig: Die Stimmung ist eine andere – natürlich wird mehr gelacht und geplaudert. Auch in der Vorgehensweise unterscheidet sich die Frauengruppe, von den sonst männlich dominierten Teilnehmerfeldern. Es wird im Team stärker zusammengearbeitet. Teilweise ohne große Aufforderungen. Es ist klar, alleine ist es für jede schwierig, mit den schweren Spreizern und Schneidgeräten zu arbeiten, deshalb unterstützt oft wortlos eine Kameradin. Für alle steht am Ende fest: Zusammen können wir alles schaffen!

„Gelacht haben wir viel, doch es war eine fantastische und harmonische Gruppe, die eindrucksvoll bewies, dass auch Frauen einiges leisten können“, lautete das Fazit von Lara, dem alle Teilnehmerinnen einstimmig zustimmten.