Ein Leben

für die

Feuerwehr

Ein Leben für die Feuerwehr

TEXT GERNOT FRIESCHER
FOTOS BRANDHEISS

Ein junger Steirer übernahm 1975 die väterliche Maßschneiderei in Leibnitz/Österreich. Ein Jahr später fertigte der ambitionierte Kleidermacher bereits seine erste Feuerwehrbekleidung. Vieles hat sich in den Jahren bis heute geändert. Bloß eines nicht: Das
Bestreben nach bestmöglicher Qualität. Anlässlich der Präsentation einer neuen Generation Schutzbekleidung durften wir das Urgestein der österreichischen Feuerwehrausstatter Gerhard Pfeifer für ein Interview in dessen Firmenzentrale in Leibnitz besuchen.

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Ich wollte mit der
neuen Kleidung besser
aber nicht teurer
werden!
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Herr Pfeifer, vielen Dank, dass Sie sich für uns Zeit nehmen. Sie sind auf der RETTER-Messe in Wels vor ca. einem Monat mit einer neuen Generation von Schutzanzügen an die Öffentlichkeit herangetreten, von der Sie glauben, es handle sich um die vermutlich beste Schutzkleidung Europas. Was bringt Sie zu dieser selbstbewussten Aussage?
Luft!

Wie bitte?
Ich habe mein Leben der Feuerwehr gewidmet und stets großen Wert auf ständige Weiterentwicklung gelegt. Zum einen, weil auch die Mitbewerber nicht schlafen, zum anderen, weil mir als langdienender Feuerwehrmann der bestmögliche Schutz ein persönliches Anliegen ist.

Und was hat es nun mit der „Luft“ auf sich?
Ich wollte eine neue Schutzkleidung entwickeln, die bei gleichbleibendem Komfort einen besseren Hitze- und Flammschutz bietet. Mir fiel ein, dass Luft ein hervorragender Isolator ist und arbeitete an einer Lösung, diese Eigenschaft bei Schutzkleidung zu nutzen.

Wir sind gespannt, wie Ihnen das gelungen ist.
Gelungen ist es mir anhand unseres neuartigen „airventing-Systems“. Hier handelt es sich um eine atmungsaktive und hitzebeständige Membrane, auf der im Abstand von ca. 3 mm kleine Noppen angebracht sind. Diese Noppen dienen quasi als Platzhalter für die nächste Lage Stoff. So kann Luft zwischen den beiden Lagen zirkulieren und als Isolator fungieren.

Klingt eigentlich sehr einfach und logisch.
Das Prinzip erscheint einfach, dieses jedoch auf die Herstellung von Schutzbekleidung anzuwenden und zertifizieren zu lassen, war ein durchaus mühsamer Weg. Selbst für uns als einem der größten Hersteller von Feuerwehrbekleidung in Österreich gab es einige Hürden zu überwinden. 

Können Sie uns ein paar Fakten bzw. Zahlen nennen, um den Unterschied zur Vorgängerversion leichter zu erkennen?
Sehr gerne. Wir konnten den Ret-Wert (Atmungsaktivität eines Stoffes; Anm. d. Red.) zum Beispiel um 23 % verbessern. Dieser liegt nun bei unter 30 und das bei einem Aufbau von insgesamt fünf Lagen. Das bedeutet eine enorme Steigerung des Tragekomforts für die Einsatzkraft. Es ist nämlich von immenser Bedeutung, dass Feuchtigkeit, welche durch das Schwitzen entsteht, auch nach außen abtransportiert werden kann. Bleibt zu viel Feuchtigkeit in der Nähe des Körpers und ist der Träger dann einem starken Temperaturanstieg ausgesetzt, sind schlimme Verbrennungen aufgrund der verdampfenden Feuchtigkeit die Folge. Der Flammschutz konnte sogar um bis zu 31 % gegenüber dem Vorgängermodell gesteigert werden und das bei nahezu gleichbleibendem Gewicht. 

Wie hat sich der Preis durch das neue airventing-System verändert?
Es war mein Bestreben besser zu werden, ohne aber teurer zu werden. Je nach Ausführung sind die neuen Schutzanzüge lediglich um ca. 2 % teurer geworden. Ich gehe bei der neuen Schutzkleidung auch von einer längeren Lebensdauer aus, da auch die Weiterreißfestigkeit gesteigert werden konnte und nun einen Wert von 135 Newton aufweist. Dieser Wert ist viermal besser als von manchem Mitbewerber! 

Apropos Lebensdauer: Wie sieht es mit der laufenden Pflege aus? Was ist Ihre Empfehlung?
Die neuen Schutzjacken und Schutzhosen mit airventing-System können ganz einfach bei 60 Grad gewaschen werden. Es ist jedoch – übrigens bei fast jeder Funktionsbekleidung – enorm wichtig, dass diese nach jeder Wäsche gebügelt wird. Nur so bleibt der wasserabweisende Schutz aufrecht. Das im Material enthaltene Silikon muss nämlich erwärmt werden, um Undichtheiten durch z.B. Knittern wieder schließen zu können. Hier möchte ich auch erwähnen, dass unsere airventing-Schutzkleidung mit einer zusätzlichen Membrane zum Schutz vor Viren und Bakterien versehen ist.

Das mit dem Bügeln ist ein durchaus interessanter Hinweis von Ihnen.
Ich weiß, diese wichtige Information wird dem Kunden leider viel zu selten vermittelt. Lassen Sie mich dabei auch erwähnen, dass eine beschädigte Schutzkleidung im Einsatz lebensgefährlich sein kann. Leider erkennt der Laie oftmals eine Beschädigung nicht. Ich habe im Zuge der Entwicklung viele verschiedene Schutzanzüge sowohl der Strahlungshitze als auch direkter Beflammung ausgesetzt und diese Anzüge dann aufgeschnitten. Was mich erschreckte war, dass am Oberstoff keinerlei Beschädigung erkennbar war. Darunterliegende Membranen waren allerdings stark in Mitleidenschaft gezogen bzw. sogar defekt. Hier tritt im Ernstfall Wasser bis zum Träger durch und kann bei hoher Temperatur, wie bereits erwähnt, zu lebensgefährlichen Verbrennungen führen. Unsere neuen Schutzanzüge wiesen bei gleichen Testbedingungen die beste Haltbarkeit auf. 

Uns fällt auf, dass die verwendeten Stoffe eigentlich recht dünn sind. Warum ist das so?
Da ich selbst jahrzehntelang aktiver Feuerwehrmann war, weiß ich, wie wichtig es ist sich möglichst frei bewegen zu können. Zwei Drittel der Feuerwehrleute müssen meiner Meinung nach zum Glück bei ihren Einsätzen nie ins bzw. durchs Feuer. Warum aber müssen alle dicke und unhandliche Kleidung anziehen? Daher ist unsere Schutzkleidung ideal auf die Einsatzkleidung, welche darunter getragen werden kann, abgestimmt. Durch das gemeinsame Tragen erhöht sich der Schutz bei Hitze und Strahlung bei trotzdem hervorragender Atmungsaktivität.

Herr Pfeifer, Sie sind nun schon seit über 40 Jahren als Feuerwehrausstatter tätig. Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Branche verändert?
Ich bin vom ersten Tag an mit Leib und Seele im Geschäft und möchte nichts anderes tun. Auch der Kontakt bzw. Austausch mit Kameraden bereitet mir noch immer große Freude. Aber die Branche hat sich durchaus verändert. Das Tempo wurde schneller. Dank moderner Medien können sich Kunden besser austauschen oder informieren. Auch die Dichte an Mitbewerbern ist gewachsen, wodurch der Kunde durchaus profitiert. Die Bürokratie in der Feuerwehrbranche wurde nicht gerade weniger (lacht), das ist manchmal durchaus äußerst mühsam. 

Denken Sie manchmal ans Aufhören?
Noch nicht. Ich liebe meine Arbeit und das gesamte Umfeld. Wenn ich 105 Jahre alt bin, mache ich mir vielleicht Gedanken über meinen Ruhestand.