DAS COOLSTE FEUERWEHR-MAGAZIN

DER MIT

DEM LKW

TANZT

Der mit dem LKW tanzt

INTERVIEW GERNOT FRIESCHER
FOTOS IOPD.ORG.UK

Er bewegt seinen Truck wie kein Zweiter es kann. Seine Stuntshows  sind weltberühmt. In der Szene ist er bereits eine lebende Legende. Aber wir wollten es genau wissen und stellten den verrücktesten Lkw-Fahrer der Welt zur Rede. Der coolste Brummi-Fahrer, Steve Murty, und sein Team im Gespräch mit BRANDHEISS. 

Dass die Engländer auf ihrer geliebten Insel einen Faible für Skurriles haben, ist nichts Neues – immerhin trinken sie ihr Bier vorzugsweise warm und lieben ihren Tee mit Milch genauso wie die Gerüchte um ihre Königsfamilie. Dem Gerücht allerdings, dass es dort einen Stuntman gibt, der mit einem tonnenschweren Truck auf nur einer Achse fährt, ist BRANDHEISS dann doch neugierig nachgegangen. 

Für das Internet trifft wohl folgende Aussage ohne Übertreibung zu: „Es gibt nichts, was es dort nicht gibt!“ Von aufschlussreichen Informationen bis hin zu unterhaltsamen Themen findet sich im World Wide Web einfach alles. Doch, nicht alles was es dort zu entdecken gibt, entspricht immer der Wahrheit, und bei Fotos oder Videos, welche im Internet veröffentlicht wurden, darf man sich ohnehin nicht zu 100% auf deren Richtigkeit bzw. Echtheit verlassen. Wohl jeder von uns hat sich beim Betrachten eines skurrilen Videos oder Fotos schon oft gedacht: „Das muss manipuliert oder retuschiert sein!“ Genau so erging es der BRANDHEISS Redaktion, als wir ein Video sahen, in welchem ein tonnenschwerer Lkw nahezu aus dem Stand einen Wheelie vollbringt und dann auch noch minutenlang auf nur einer Achse zentimetergenau weiterfährt. Für all jene Leser, die keine Motorradfahrer oder wenig technisch versiert sind und auch mit Motorsport nicht viel am Hut haben, sei erklärt, was ein Wheelie ist. Und weil wir eingangs schon vom Internet gesprochen haben, hier die treffende Erklärung aus Wikipedia: „Unter einem Wheelie versteht man das Fahren eines mehrachsigen Fahrzeugs auf der Hinterachse.“

Egal bei welcher Show der Back Draft Wheelie Truck auftritt, er ist stets der Publikumsliebling.

Gut, das klingt einfach und verständlich. Die Durchführung eines Wheelies ist aber weniger einfach. Mit wenig Freude erinnern wir uns an die ersten Wheelie-Versuche in unserer Kindheit. Den Lenker des BMX-Fahrrads fest nach oben reißen und dabei kräftig in die Pedale treten, um mit den Wheelie-Künsten die Freunde zu beeindrucken. Und dann? Dann ging es mit dem Vorderrad in der Höhe ein paar Meter voran, bis es einen aufs “ Kreuz“ legte. Zumindest sehen so die schmerzhaften Erinnerungen an die ersten Wheelie-Versuche des Redakteurs dieses Artikels aus. 

Ein Biest mit 800 PS und 14 L Hubraum 

Nach ein paar Stunden an Internetrecherche war uns klar, nicht nur der Stunt scheint echt zu sein, auch den „Typen“ hinter dem Steuer haben wir ausgeforscht. „Ich heiße Steve. Steve Murty!“ Typisch, dass ein Engländer sich am Telefon vorstellt, wie es James Bond im Kino tut. Oder war das bereits ein Vorgeschmack auf den trockenen Humor der Engländer? Egal, wir hatten nun tatsächlich den Fahrer des Wheelie-Trucks am Telefon und führten mit ihm ein aufschlussreiches Interview. Als kleine Hintergrundinformation sei erwähnt, dass wir auch mit dem Promoter von Steve sprachen. Dieser ist bei der Organisation IOPD (International Organisation of Professional Drivers) für den verrückten Kerl mit seinem Truck verantwortlich und organisiert dessen Auftritte bei Events und Shows.  Dieser stellte sich wesentlich unspektakulärer vor: „Ich bin Chris.“ Auf die Frage, wie sein Nachname lautet, meinte er bloß: „Wie gesagt, ich bin Chris, das genügt.“ Na gut, diese Briten sind halt eigenwillige Charaktere. Oder er arbeitet neben seiner Promotiontätigkeit für den britischen Geheimdienst und darf uns Österreichern seinen Namen nicht verraten. Ist auch weiter nicht schlimm, denn wir stellten den beiden gleich einmal die erste Frage:

Brandheiß: „Also, wir haben euer Video vom Wheelie-fahrenden Truck nun zig Male angesehen. Sagt mal ehrlich: Ist das alles echt?“

Chris/Steve: „Das Video und der Stunt sind so echt wie die britischen Kronjuwelen im Tower von London. Nein, im Ernst: Steve ist ein professioneller Stuntfahrer mit über 30 Jahren Erfahrung in diesem Bereich. Neben anderen Stunts ist der Wheelie-Stunt jener, mit dem er berühmt wurde. Über eine Million Besucher in England, aber auch außerhalb von England, haben ihn bereits live erlebt. Wir von IOPD planen und organisieren die Shows für Steve und sind Ansprechpartner für Buchungen.“

Brandheiß: „Jetzt drängt sich natürlich die Frage auf: Wie kommt jemand überhaupt auf die wahnwitzige Idee, einen tonnenschweren Lkw auf der Hinterachse zu fahren? Das fällt einem doch nicht so von heute auf morgen ein und bedarf bestimmt auch technischer Umbauten?“

Chris/Steve: „Ursprünglich wurde die Idee ins Leben gerufen von einem der führenden Lkw-Hersteller Englands, der Leyland Trucks Ltd.“

Einmalig ist wohl die Werbeschrift auf der Fahrzeugunterseite.

Brandheiß: „Wieso? Die wollten ihre Lkw nur noch auf der Hinterachse fahren lassen, um Reifen für die Vorderachse zu schonen? Oder wie kann man sich das vorstellen?“

Chris/Steve: „Nein nein, die Marketingabteilung von Leyland wollte sich etwas einfallen lassen, um Aufsehen für Ihre Trucks zu erwecken und ihre technische Raffinesse unter die Leute zu bringen. So entschied man sich, diese Aufgabe mit einem „Show-Truck“ zu bewerkstelligen, um die Firma bei sämtlichen Motorsport Events auf eine auffällige Art und Weise zu präsentieren.“

Brandheiß: „Das heißt, Leyland Trucks Ltd. wollte diesen Spezialtruck bauen und Steve Murty war verrückt genug, um den Stunt umzusetzen.“

Chris/Steve: „So kann man es sehen, Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Nun ist für solch einen Stunt natürlich kein normaler Serien-Lkw geeignet. Das Expertenteam von Leyland betrieb einen großen Aufwand, um die technischen Anforderungen an dieses Projekt umzusetzen. Da es sich eben um ein Prestigeprojekt handelte, wurde auch ein vernünftig großes Budget dafür freigegeben, sodass auch anfängliche Rückschläge nicht gleich zum Ende des Projektes führten.“

Brandheiß: „Nun interessiert uns natürlich brennend, wie denn der Stunt tatsächlich funktioniert und worin sich der Lkw von Serienmodellen unterscheidet?“

Chris/Steve: „Ein Magier verrät niemals seine Tricks, so auch nicht wir! Was wir aber verraten können, ist, dass für die benötigte Power ein 14 Liter Straight Six Cummins Dieselmotor zuständig ist. Dieser wurde mit viel Aufwand auf über 800 PS leistungsgesteigert und die Kraft wird mittels eines speziell angefertigten ZF Automatikgetriebes auf die Hinterachse übertragen. Die gesamte Technik wurde nur auf die Durchführung dieses einen Stunts konzipiert. Alle Techniker und Mitarbeiter sind sogar einer Verschwiegenheit verpflichtet; wir wollen ja nicht, dass an jeder Ecke plötzlich ein Wheelie-Truck zu finden ist (lacht ins Telefon). Deshalb sind wir sehr zurückhaltend, was die Technik betrifft, da diese für den Stunt äußerst wichtig ist. Ich kann Ihnen für Ihre Leser aber noch verraten, dass dieser Motor auch in kleinen Zügen und bei Racing Trucks eingesetzt wird und der Truck momentan ein Gewicht von 20 Tonnen aufweist.“

Brandheiß: „Die Verschwiegenheit können wir sehr gut verstehen. Ihr wollt natürlich keine Nachahmer. Wieso habt ihr euch beim Design für ein feuerwehrähnliches entschieden? Gibt es eine Verbindung zur Feuerwehr?“

Chris/Steve: „Anfangs sah der Truck wie ein Racing-Truck aus. Mit dem Look waren wir aber nicht restlos zufrieden. Da überlegten wir uns, welches Design besser passen könnte. Da meinte jemand aus dem Team, dass alle kleinen Jungs Feuerwehrautos mögen. Da die Feuerwehr in der Öffentlichkeit auch stets enorm positiv wahrgenommen wird, fanden wir die Idee, unserem Truck einen Feuerwehr-Look zu verpassen, einfach passender. Man darf auch nicht vergessen, dass bei den Stuntvorführungen unser Publikum hauptsächlich aus Männern und deren Kindern besteht – und Kinder lieben Feuerwehrautos ganz besonders. Um gleich der nächsten Frage vorzugreifen: Nein, es befindet sich keine Feuerwehrausrüstung an Board, es ist ein reiner Show-Truck.“

Brandheiß: „Und jetzt verrät doch bitte unseren Lesern, wie das Teil punktgenau gesteuert wird, wenn die Vorderräder in der Luft sind?“

Chris/Steve: „Die Logik ist ganz einfach. Wir können jedes Hinterrad getrennt antreiben und abbremsen. Das klingt zwar simpel, aber es stellt eine enorm große Herausforderung für mich als Fahrer dar und bedarf viel Feingefühl. Es gibt auch nur drei Menschen – mich bereits miteingeschlossen – die den Truck im Wheelie steuern können. Anders verhält es sich im Normalbetrieb.“

Brandheiß: „Soll das heißen, ihr fährt den Show-Truck auch ganz normal?“

Chris/Steve: „Ja klar! Der Lkw hat eine gültige Straßenzulassung und wird von uns auch auf eigener Achse zu den Vorstellungen gefahren. So waren wir bereits zu Gast auf der Essener Motorshow oder auch in Barcelona, wohin wir mit dem Truck ganz normal gefahren sind. Jeder mit einem Lkw Führerschein könnte das Ding auf der Straße bewegen. Aber eben nur im Normalmodus.“

Brandheiß: „Wie viele Auftritte macht ihr pro Jahr mit dem BackDraft?“

Chris/Steve: „Wir bestreiten bis zu 12 Shows pro Jahr. Die meisten davon in England, aber wir sind auch in Frankreich, Belgien und anderen Ländern gerne vertreten.“

Brandheiß: „Ging dabei schon einmal etwas schief?“

Chris/Steve: „Das absolut Schlimmste, was passieren kann, ist vor 20 Jahren auch tatsächlich passiert. Da überschlug sich der Truck, weil zu viel Leistung auf die Hinterräder freigegeben wurde. Wir haben unser Showprogramm danach überarbeitet und einige technische Änderungen vorgenommen. So wurde zum Beispiel der Überrollkäfig massiv verstärkt. Seither gab es gottlob keine Unfälle mehr.“

Brandheiß: „Na da halten wir die Daumen, dass das auch so bleibt. Das ist aber gleich ein guter Übergang für die letzte Frage: Sollte doch etwas passieren, ist diese Version des Back Draft Wheelie Trucks die einzige oder gibt es noch einen zweiten Lkw als Redundanz?“

Chris/Steve: „Nein, das ist ein Unikat, jedoch betreiben wir  für unsere Stuntshow noch andere Spielzeuge. Dazu zählt ein Fahrzeug, das halb Panzer, halb Monster Truck ist, oder einen Lkw mit einer Jet-Turbine als Antrieb und zwei klassische Monster Trucks.

Brandheiß: „Steve und Chris, vielen Dank für das spontane Interview. BRANDHEISS wünscht euch alles Gute und Hals- und Beinbruch!“

Steve: „Vielen Dank, gebrochene Beine hatte ich allerdings schon…“

Der Back Draft Wheelie Truck

Hersteller: Leyland Trucks Ltd.Gewicht: 20,7 Tonnen
Leistung: 800 PS
Gebaute Exemplare: 1 Stück weltweit!
Getriebe: Fünf-Gang-Automatik
Hubraum: 14 L Reihensechszylinder

Was es noch zu sagen gibt: 

Für alle, die sich über die fahrerische Präzision von Steve Murty selbst überzeugen möchten, denen empfehlen wir das offizielle Video unter:
www.youtube.com/watch?v=sCbjWuTfZHw

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