Bloss nicht

den Überblick

verlieren

Bloss nicht den Überblick verlieren

TEXT GERNOT FRIESCHER
FOTOS DEUTSCHE MESSE

Es ist nicht zu übersehen: Die Weltleitmesse der Blaulichtbranche, die INTERSCHUTZ 2020, rückt mit riesigen Schritten näher. Dem alle fünf Jahre stattfindenden Event möchten wir uns in einer dreiteiligen Serie widmen. Für diese Ausgabe warfen wir einen Blick hinter die Kulissen der INTERSCHUTZ und erhielten von Pressesprecherin Katja Wohlers Hintergrundinformationen, die an Aussagekraft selbst schon ein wenig rekordverdächtig sind. 

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Im Grunde ist die Messe
eine kleine Stadt
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ON ALLEM EIN WENIG MEHR

Als die Zahlen der Interschutz 2015 nach sechs erfolgreichen Messetagen zusammengefasst wurden, stand fest: Es war die größte und erfolgreichste Interschutz seit deren Bestehen. So präsentierten damals 1.500 Aussteller aus 51 Nationen ihre Produkte und Dienstleistungen den 157.000 Besuchern und beanspruchten dabei eine Ausstellungsfläche von gut 100.000 m2. 

 

DAS TEAM DAHINTER – JEDER EIN PROFI AUF SEINEM GEBIET

Nun ist es jedoch nicht so, dass das elfköpfige Kernteam (wir werden einige dieser Entscheidungsträger etwas später vorstellen) vier Jahre lang die Füße hochlegen und die Zeit zum nächsten Event absitzt. Nichts dem Zufall überlassend werden bereits kurz nach einer INTERSCHUTZ schon wieder erste Tätigkeiten mit Hinblick auf die nächsten fünf Jahre in Angriff genommen. Dabei ist das Team auch für die Umsetzung weiterer Fachmessen verantwortlich; für alle INTERSCHUTZ-Messen (REAS, AFAC, USA), aber zum Teil auch für ganz andere Messethemen, zum Beispiel LABVOLUTION (Labortechnik). Das Kernteam, das für den Vertrieb und die Organisation verantwortlich ist, umfasst elf Personen. Teamchef ist Martin Folkerts. Seine offizielle Bezeichnung ist Global Director INTERSCHUTZ. Marketing, Technik, Logistik und Protokoll sind Querschnittsaufgaben, die von den entsprechenden Abteilungen innerhalb der Deutschen Messe AG übernommen werden. So kommt das gesamte Projekt INTERSCHUTZ auf 24 Personen.

AUCH EINE WELTLEITMESSE WILL BEWORBEN WERDEN

Als Weltleitmesse für Feuerwehr, Rettungswesen, Bevölkerungsschutz und Sicherheit wird die Messe natürlich weltweit beworben. Das geschieht von der Zentrale in Hannover aus, aber auch über die mehr als 50 Tochtergesellschaften und Sales Partner der Deutschen Messe AG in aller Welt sowie über die internationalen Netzwerke der Partnerverbände. Eines der wichtigsten Ziele für 2020 ist es, die Internationalität der INTERSCHUTZ weiter zu steigern. 

Diese Steigerung führt natürlich auch zu einem Zuwachs an Ausstellern. Da stellt sich die Frage, wie es möglich ist, auf die Wünsche und Bedürfnisse von 1.500 Ausstellern bestmöglich einzugehen. „Für jeden Themenbereich der INTERSCHUTZ gibt es einen festen Ansprechpartner im Projektteam. Dort laufen die Inputs zusammen. Aber ohne Frage, das Vermitteln zwischen den Interessen der einzelnen Akteure ist die große Herausforderung bei der Messe-Organisation“, führt Pressesprecherin Frau Katja Wohlers uns gegenüber aus.

TIMMY UND DIE INTERSCHUTZ
Border-Collie Timmy ist seit 2014 nicht nur das offizielle Maskottchen der INTERSCHUTZ, er ist auch quasi Botschafter der Messe. Sogar eine eigene Facebook-Site betreibt Timmy und erobert dabei die Herzen seiner Fans. Ihm zur Seite steht natürlich sein Herrchen, Christian lang, Feuerwehrmann aus Hannover.

MESSESTÄNDE WERDEN GRÖßER UND AUFWENDIGER. DOCH WAS GEBAUT WERDEN DARF, IST STRENG GEREGELT

Als Besucher der INTERSCHUTZ ist man öfter als nur einmal schlichtweg sprachlos, wie technisch aufwendig und optisch ansprechend so manche Mega-Stände konzipiert sind; immerhin beanspruchen die größten Stände an die 500 m2 Fläche und das auch mal auf zwei Etagen. Doch für die Veranstalter hat die Sicherheit der Konstruktionen unangefochten oberste Priorität. Damit es in Bezug auf eine harmonische Gestaltung auch unter den Ausstellern keine bösen Überraschungen im Aufbau gibt, müssen Standbaupläne für Stände über 100 m² oder auch Stände mit zwei Geschossen vorab einem Genehmigungsverfahren unterzogen werden. Hier werden umfangreiche technische Richtlinien beraten und festgelegt, um festzustellen, was geht und was nicht.

HAND IN HAND MIT DEM DEUTSCHEN FEUERWEHRTAG

Gemeinsam mit dem parallel stattfindenden Deutschen Feuerwehrtag wird Hannover im Juni zur Weltfeuerwehrhauptstadt. Der Deutsche Feuerwehrtag ist die zentrale Versammlung aller Feuerwehren in Deutschland. Seit 1970 wird er alle zehn Jahre ausgerichtet. Auch Hannover war schon Austragungsort; 1888 zum ersten Mal und dann 1980 wieder – ebenfalls parallel zur INTERSCHUTZ. „Für uns ist es ein großer Gewinn, dass die INTERSCHUTZ und der Deutsche Feuerwehrtag parallel laufen“, sagt Martin Folkerts, Global Director INTERSCHUTZ. „Das sind zwei hochkarätige Mega-Events an einem Ort. Für die Besucher aus dem Bereich Feuerwehr wird die Reise nach Hannover dadurch doppelt attraktiv.“ Unter dem Motto „Sicherheit.Leben“ beschäftigt sich ein internationaler Feuerwehr-Zukunftskongress mit den Herausforderungen etwa durch den Klimawandel. Feuerwehr-Führungskräfte aus aller Welt treffen sich zur Delegiertenversammlung des Weltfeuerwehrverbandes CTIF, der im Rahmen des 29. Deutschen Feuerwehrtages ausgerichtet wird. Wie vielfältig und bunt Feuerwehr ist, können die Stadt Hannover und ihre Gäste bei der mehrtägigen Feuerwehrmeile in der Innenstadt erleben. Das Highlight zum Abschluss soll ein Konzert auf dem Messegelände werden. 

 

JEDER FINDET SEINEN PLATZ
Mit 131 Hektar und 26 Messehallen bietet das Gelände auch 2020 Potenzial für wundgelaufene Besucherfüße. Für die Live-Darbietungen lassen sich die Aussteller stets neue Attraktionen einfallen.

 

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Vernetzung ist
das Thema der Zukunft
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LEITTHEMA „VERNETZUNG“ HAT SYMBOLKRAFT

Sich wandelnde sowie neue Herausforderungen für Feuerwehr, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz sind ein großes Thema für die Veranstalter. Das bezieht sich zum einen auf neue Gefahrenlagen, die politisch, gesellschaftlich oder durch sich häufende Naturkatastrophen bedingt sind. Zum anderen bezieht sich das auf den immer größer werdenden Einfluss von digitalen Technologien. Deshalb wurde auch ein Leitthema für die INTERSCHUTZ 2020 formuliert. Es heißt: Teams, Taktik, Technik – Schutz und Rettung vernetzt. Gemeint ist damit ausdrücklich sowohl der Einsatz innovativer digitaler Lösungen, als auch die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure und Institutionen. Sehr viele Aussteller werden das Thema aufgreifen und mit vielen Beispielen erlebbar machen. Das gleiche gilt für Vorträge in Symposien und Konferenzen. Immerhin stehen drängende Fragen im Raum: Was bedeutet der künftige Mobilfunkstandard 5G für Sicherheitsorganisationen? Wie können Robotik, Sensorik und Geoinformationssysteme bei Trainings und Einsätzen unterstützen? Wie sehen Leitstellen in der Smart City aus? Und überhaupt: Sollte man Daten trauen? Die INTERSCHUTZ 2020 positioniert sich als die internationale Plattform, um über Chancen und Herausforderungen von Digitalisierung und Vernetzung in Feuerwehr, Rettungswesen, Bevölkerungsschutz und Sicherheit zu diskutieren. Der Hot Spot rund um digitale Transformation wird die Halle 16 sein. Unter der Überschrift „Digitalisierung & Transformation“ finden sich dort Vor-, Quer- und Mitdenker zum intensiven Austausch ein. 

 

WIE STEHT ES BEI DER INTERSCHUTZ SELBST UM DIE SICHERHEIT

Bei so einer dichten Präsenz an Rettungs- und Sicherheits-Know-how stellen wir uns natürlich auch die Frage, wie die Messeleitung dieses Thema unter einen Hut bringt. Wenn man bedenkt, dass bei der INTERSCHUTZ 2015 lediglich in der Aufbauphase ein unkontrollierter Brand eines Holzstapels in einem der Festbrand-Übungscontainer als „Vorfall“ angeführt werden kann, ist das Event trotz der enormen Dimensionen als sicher zu bezeichnen. 19.000 Rauch- und Wärmemelder unterschiedlichster Bauformen sind auf dem Gelände verteilt. Wie Sicherheits- bzw. Notfallpläne aussehen, erläutert Frau Wohlers sehr detailliert: „Zum Schutz der Aussteller und Besucher haben wir eine Brandsicherheitswache der Veranstaltung. Wir werden vier Einsatzkräfte und ein Hilfeleistungs-Löschfahrzeug der Feuerwehr Hannover auf der Feuerwache Nord direkt auf dem Messegelände stationiert haben. Die können rund um die Uhr im Notfall sofort ausrücken. Dazu kommt aus der Stadt immer noch ein Löschzug, der aber in der Regel an der Hauptzufahrt des Messegeländes wartet, bis er weitere Instruktionen bekommt. Außerdem leistet die Erste-Hilfe-Stelle – organisiert von der Johanniter-Unfallhilfe – die sanitätsdienstliche Versorgung und kümmert sich um alle Personen, die Hilfe benötigen und denen es nicht gut geht. Manchmal reicht schon ein guter Rat, manchmal braucht es aber auch eine intensive medizinische Behandlung. 

Die Helfer der Erste-Hilfe-Stelle kommen als Erste und gehen als Letzte. Wenn die Aussteller zum Aufbau eintreffen, ist bereits ein Ansprechpartner da. Und erst, wenn sich alle auf dem Heimweg machen, packen auch die Helfer zusammen.“

ALLES HAT EINMAL EINE ENDE, AUCH EINE WELTLEITMESSE

Allem Anfang wohnt naturgemäß auch ein Ende inne. Wenn der letzte Besucher gegangen ist, fängt das große Treiben um den Abbau und die Heimreise der Aussteller an. Wenn mehr als 1.500 Aussteller gleichzeitig das Messegelände verlassen, Stände und Exponate aus den Hallen und vom Freigelände transportiert werden müssen, ist auch direkt nach der Messe gut was los auf dem Gelände. Man spürt aber auch, dass die Anspannung dann nicht mehr so groß ist. Die Personen, die direkt in die Messe eingebunden sind, finden dann kurz Zeit durchzuatmen, bevor es an die Nacharbeit geht. Diese umfasst mitunter das Feedback von Ausstellern und Besuchern aufzuarbeiten und zu schauen, was nächstes Mal noch besser gemacht werden kann. Dazu kommen Standardaufgaben wie Abrechnungen durchzuführen, Statistiken zu erstellen oder enormes Fotomaterial zu sichten. Und eigentlich stellt dies auch schon die ersten Arbeiten für die INTERSCHUTZ 2025 dar.

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INTERSCHUTZ 2020
15. – 20. JUNI
IN HANNOVER
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Die Kernmannschaft des Organisationsteams

Martin Folkerts
Leitung 
INTERSCHUTZ (Global Director)

Christiane Grobe
Zuständig für die Themen Rettungswesen (Halle 16, 17, 26, Freigelände) und Bevölkerungsschutz (Halle 17, Freigelände)

Martin Kariger
Zuständig im Bereich Feuerwehr für den abwehrenden Brandschutz (Halle 12, 13, 27, Freigelände, Pavillons)

Steffen Buck
Zuständig im Bereich Feuerwehr für den vorbeugenden Brandschutz (Halle 13) sowie das Thema Sicherheit (Halle 14, 15, 16, Freigelände)

Andreas Grüber
Zuständig für das Vorführgelände sowie die INTERSCHUTZ USA und die REAS

Olaf Dudda
Leiter der Werkfeuerwehr sowie Brandschutzbeauftragter der Deutschen Messe AG

INTERSCHUTZ 2020
Zahlen der Superlative

  • Einen Quadratkilometer groß ist das Messegelände in Hannover.
  • Darauf befindliche Hallen und  Pavillons weisen eine Größe zwischen 1.000 bis 31.000 m2 auf.
  • Auf dem Gelände gibt es 19.000 Rauch- und Wärmemelder.
  • 1.500 Aussteller aus 60 Ländern werden vor Ort sein.
  • Ausstellungsflächen betragen knapp 180.000 m2.
  • Täglich sind 200 Personen für den Reinigungsdienst tätig und entsorgen dabei 400 t Müll.
  • Die gesamte Region Hannover weist während der Interschutz 2020 eine hundertprozentige Auslastung von Hotellerie und Privatunterkünften auf.